Wieviel Vertrauen können sich Unternehmen leisten?

Weltweit warten Unternehmen durchschnittlich 66 Tage auf ihr Geld. Das ist ein statistischer Wert, den die Euler Hermes-Experten in ihrem aktuellen „Payment Behaviour“-Report für das vergangene Jahr ermittelt haben. In einem zunehmend stabil erscheinenden wirtschaftlichen Umfeld gedulden sie sich damit 2 Tage länger als in den jeweils fünf Jahren zuvor. Damit signalisieren sie Vertrauen: in eine konjunkturell vielversprechende Zukunft und in die Zahlungskraft ihrer Kunden.

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Deutsche Digitalisierungs-Ampel steht auf Grün

Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft. Sie schafft Werte in Form von Daten und neuen Dienstleistungen. Der Onlinehandel beeinflusst unsere Konsumgewohnheiten. Soziale Netzwerke verändern unsere Kommunikation und die digitale Technik revolutioniert Produktions- und Arbeitsprozesse in Unternehmen aller Branchen.

Wer in der globalen Welt des immer schnelleren Wandels stehen bleibt, hat verloren. Aber ist der Schlüssel zum notwendigen digitalen Erfolg tatsächlich ausschließlich die entsprechende Unternehmensstrategie?

Gute Digitalisierungsgrundlagen in Deutschland

Bei weitem nicht, denn das wirtschaftliche Umfeld ist ebenso entscheidend! Das zeigt der Indikator „Enabling Digitalization Index“ (EDI), den Euler Hermes entwickelt hat. Er misst, in welchen Ländern Unternehmen die besten Digitalisierungsvoraussetzungen finden. Dazu wurden die Rahmenbedingungen in 115 Nationen analysiert.

Wie schnell kommen Unternehmen beispielsweise an einen Kredit? Auf welchem Niveau bewegt sich das zugrunde liegende digitale Grundwissen? Wie viele Menschen sind mobil und digital vernetzt? Welche logistischen Grundlagen gibt est? Wie ausgeprägt sind digitalen Gewohnheiten der Kundenzielgruppe?

Bei der Auswertung dieser fünf Grundsatzfragen haben die USA im Euler Hermes EDI-Ranking die Nase weit vorn. Direkt danach folgen Deutschland und die Niederlande mit solider Infrastruktur, einem hohen Vernetzungsgrad und gutem Grundlagenwissen.

Nachholbedard in China und Lateinamerika

Der künftige Erfolg vieler Unternehmen hängt davon ab, wie schnell sie bei der Digitalisierung Fahrt aufnehmen können. In Deutschland gewinnen einige Firmen langsam an Tempo, viele sind schon mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Unsere Studie zeigt, dass Deutschland sehr gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft bietet, die Digitalisierung weiter zu beschleunigen. Damit stehen die Ampeln im weltweiten Vergleich auf Grün.

International aber gibt es Hindernisse, die sicher umfahren werden müssen. China ist beispielweise ein riesiges Land, aber die digitale Verbindungsqualität lässt im Vergleich zu wünschen übrig. Auch in Lateinamerika kann die jeweilige Marktgröße eine fehlende logistische Infrastruktur und mangelnde Innovation nicht aufwiegen.

Ein solches Umfeld kann digital-agile Unternehmen ausbremsen. Auffahrunfälle sind wahrscheinlich, wenn das Tempo nicht rechtzeitig den lokalen Gegebenheiten angepasst wird. Unsere Navigation für Unternehmenslenker sind über die Euler Hermes App jederzeit verfügbar.

Protektionismus 2018: Wie Du mir, so ich Dir?

Der Protektionismus ist zurück. Mit aller Macht, mit lauten Drohungen und unüberschaubaren Konsequenzen. Weltweit wurden im vergangenen Jahr zwar nur noch 467 neue protektionistische Maßnahmen zum Schutz der eigenen Wirtschaft eingeführt, aber die jüngsten Ankündigungen aus den Vereinigten Staaten lassen selbst die sonst so besonnenen EU-Kommissare mit den Säbeln rasseln. US-Strafzölle auf Stahlimporte sollen mit EU-Strafzöllen auf Motorräder, Jeans und Orangensaft beantwortet werden.

Die Reaktion kommt nicht von ungefähr: Schon 2017 gingen knapp 20% der neuen weltweiten Handelbarrieren auf das Konto der US-Regierung. Dies belegt der aktuelle Protektionismus-Report von Euler Hermes.

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Mit 100 in die digitale Zeit

Jetzt sind wir 100. Kann man die Kreditversicherung nun als „Dinosaurier“ abstempeln? Von wegen. Denn auch das Alter ist eine Frage der Einstellung: Wir könnten ja auch sagen, dass wir 34 sind, wenn das Leben laut Udo Jürgens mit 66 erst anfängt. Aber auf unsere jahrhundertalte Erfahrung im Umgang mit Kreditrisiken sind wir stolz. Denn das ist unser Kapital, mit dem wir und andere Unternehmen schwungvoll ins digitale Jahrhundert starten.

Die Zeit der Firmengründung ist sicherlich nicht mit der heutigen zu vergleichen. Damals, 1917, stand die Welt am Abgrund. Heute läuft die deutsche Wirtschaft wie am Schnürchen – anscheinend nichts kann sie erschüttern. Anscheinend! Denn eine Wahrheit bleibt im Rückblick unumstößlich: Wer sich im internationalen Handelsgeflecht nur auf den Wirtschaftsmotor verlässt, kann langfristig das Nachsehen haben. Oft ist nichts so, wie es scheint. Irrtümer können praktisch über Nacht zu einer Existenzbedrohung für Unternehmen und ihre Angestellten werden. Das war vor 100 Jahren so und wird auch in 100 Jahren noch so sein.

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Steigende Großinsolvenzen: Wake-Up-Call für Unternehmenslenker

Auf den ersten Blick läuft 2017 doch sensationell! Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten scheint sich trotz aller Diskussionen wieder mehr politische Stabilität in Europa abzuzeichnen. Außerdem nimmt die Konjunkturerholung weltweit  endlich Fahrt auf.

Die „Heatmap“ im aktuellen Konjunkturbericht von „High Stake Games“ zeigt ein ausgewogenes Bild: Wir gehen davon aus, dass die Insolvenzen 2017 insgesamt um 1% zurückgehen, aber im kommenden Jahr wieder um 1% steigen.

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Wie so oft lohnt der Blick hinter die Kulissen. Weltweit wachsen Liquiditätsbestände in Unternehmensbilanzen auf Rekordniveaus. Lange Forderungslaufzeiten belasten Geschäftsaktivitäten. Zudem steigen Insolvenzen von Firmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro überproportional an.

Schon jedes einzelne Signal ist beunruhigend. In der Summe sind es ernstzunehmende Herausforderungen für Unternehmen. Die Extremrisiken steigen, weil die Entwicklungen in den Regionen und Branchen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Besonders viele große Insolvenzen sehen wir beispielsweise im Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor. Regional gesehen gibt es einen Schwerpunkt bei amerikanischen Einzelhändern und Dienstleister, aber auch Unternehmen in China und Brasilien sind betroffen.

Chinesische Unternehmen müssen mittlerweile durchschnittliche Forderungslaufzeiten von 89 Tagen überbrücken. Das ist sogar noch ein Tag mehr, als griechische Unternehmen im Durchschnitt auf ihr Geld warten müssen. Damit liegen diese Regionen deutlich über dem globalen Durchschnitt von 64 Tagen. Aber ganze 9% aller Unternehmen weltweit leiden sogar unter durchschnittlichen Forderungslaufzeiten von mehr als vier Monaten.

Kein Sektor ist sicher vor Ansteckungsgefahren

Dass die Zahl der Insolvenzen in diesem Umfeld nicht abnimmt, ist vor dem Hintergrund wenig verwunderlich. Aber es fällt auf, dass vor allem Unternehmen betroffen waren, denen man aufgrund ihrer Größe den notwendigen Atem in schwierigen Situationen am ehesten zutraut. Weltweit haben in den ersten drei Monaten diesen Jahres 74 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro Insolvenz angemeldet. Das sind 30 mehr als im ersten Quartal 2016. Auch regional zeichnen sich Spitzen ab: 25 europäische Konzerne mussten schließen, während es in den USA nur acht waren.

Diese Fakten sollten als Wake-Up-Call bei jedem Unternehmenslenker ankommen. Denn eine Insolvenz, vor allem die eines bedeutenden Unternehmens, kann einen Domino-Effekt auslösen. Wenn Dienstleister in einer Wertschöpfungskette davon überrascht werden, können sie selbst in Schwierigkeiten geraten. Momentan stehen die Unternehmen in Branchen wie der Dienstleistungs- und Einzelhandelsindustrie durch den digitalen Wandel und veränderte Kundenbedürfnisse unter enormen Druck. Aber wie schnell könnte frt Funke einer großen, unerwarteten Insolvenz über Zulieferer beispielsweise auch auf die Elektronik– oder die Textilbranche überspringen? Im Prinzip ist kein Sektor vor einem Flächenbrand sicher.

Rekordsummen auf Firmenkonten

Die große Unsicherheit drückt sich auch in den weltweiten Unternehmensbilanzen in immensen Liquiditätspositionen aus. Per Ende 2016 lag eine Rekordsumme in Höhe von 7 Billionen USD auf den Firmenkonten, den Finanzsektor nicht mitgerechnet. Die Summe entspricht fast 10% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) und hat sich seit der Finanzkrise 2007 von 3,5 Billionen USD verdoppelt. Und das, obwohl das globale Wirtschaftswachstum in diesem Zeitraum gestiegen ist und damit die Cash-Maschinen ankurbeln sollten.

Der anhaltende Spartrend spiegelt die Unsicherheit der Firmen angesichts der verschiedenen globalen Risiken wider. Und auch hier gibt es in den verschiedenen Regionen und Branchen besondere Ausprägungen. Während amerikanische Unternehmen rund 30 Prozent in Barreserven halten, haben chinesische Unternehmen ihre Cash-Positionen seit 2010 verdoppelt. Asiatisch-pazifische Firmen horten damit die höchsten Bargeldvolumina und halten 44 Prozent am weltweiten Liquiditätsbestand. In Westeuropa ist der Akkumulationstrend insgesamt nicht so stark ausgeprägt und verteilt sich uneinheitlich auf die verschiedenen Länder.

Trotzdem bleibt unter dem Strich festzuhalten: Die Chancen und Risiken in den einzelnen Ländern und Branchen müssen aus einer individuellen Unternehmensperspektive aufmerksam beobachtet werden. Denn am Ende ist nichts ist so, wie es scheint. Und oft schon gar nicht so sicher, wie man eigentlich dachte.

Mehr Details und die aktuelle Studie gibt es hier.

Wachstumsmarkt Afrika: Nerven wie Drahtseile gefragt

Afri-can or Afri-can’t? Afrika als Wirtschaftsmarkt der Zukunft: Kann er halten, was er verspricht oder eher nicht? Das ist die große Frage. Das Potenzial ist definitiv vorhanden. Die Risiken und Hemmnisse sind aber ebenso unübersehbar. Deshalb braucht der Kontinent noch mehr Zeit – und Exporteure entsprechend gute Nerven, bis sich der Markt in die vielfach erträumte afrikanische Wirtschaftsschönheit verwandelt.

Langfristig ist Afrika sicherlich ein attraktiver Export- und Wachstumsmarkt. Allerdings machen die vielen Unsicherheiten derzeit Geschäfte in Afrika komplex und riskant. Viele Länder bergen ein erhebliches bis hohes Risiko.

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Zudem ist die Volatilität wie in vielen Schwellenländern sehr hoch. 2016 lag das Wirtschaftswachstum auf dem afrikanischen Kontinent bei gerade mal 1,6%. Das ist der niedrigste Wert seit 30 Jahren. Zwischen 2000 und 2010 lag der Zuwachs bei durchschnittlich rund 5% pro Jahr und damit rund drei Mal so hoch.

Afrika findet sich nach vielen Boom-Jahren beim Wirtschaftswachstum auf dem harten Boden der Tatsachen wieder – vor allem getrieben durch den Ölpreisverfall. 

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Präsidentschaftswahl: Französisches Duell – um Europa

Frankreich schreibt in jedem Fall Geschichte. So etwas gab es noch nie: Im 2. Wahlgang um die Präsidentschaftswahl steht kein einziger Kandidat der „etablierten“ Parteien. Dort duellieren sich statt dessen – wie schon zuvor im Fernsehen – mit Emmanuel Macron ein unabhängiger Kandidat und mit Marine Le Pen eine Kandidatin der populistischen Rechten.

Der größte Unterschied zwischen den beiden: Europa. Während der eine expliziter Pro-Europäer ist, würde die andere am liebsten „Fradieu“ sagen und sich den Briten anschließen bei der Scheidung von der EU. Die größte Gemeinsamkeit: die mit ihnen verbundene Unsicherheit – wirtschaftlicher oder politischer Art. 

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Warum die Brexit-Auswirkungen später kommen als erwartet

Am 29. März will die britische Regierung ihren Austritt aus der Europäischen Union (EU) formell beantragen. Der Brexit wird dann quasi „amtlich“. Bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser die Themse hinunter. Derzeit sogar noch bei recht freundlicher wirtschaftlicher Stimmung.

Die meisten Experten haben mit einem einmaligen harten Einschnitt durch den Brexit gerechnet. Das ist nicht eingetreten. Lagen die Analysten deshalb alle falsch mit ihren Negativ-Prognosen? Mitnichten. Der kumulative Effekt, beispielsweise bei Wirtschaftswachstum oder Insolvenzen, wird in den kommenden Jahren fast der gleiche sein.  Großbritannien wird die wirtschaftlichen Auswirkungen noch zu spüren bekommen. Nicht auf einen Schlag, aber schleichend.

Aber: Die britischen „Puffer“ wurden von fast allen stark unterschätzt. Insgesamt gibt es vier Hauptgründe, warum sich die negativen Brexit-Effekte verzögert haben: Der solide britische Privatkonsum auf Kosten der Ersparnisse, die unterstützende Fiskalpolitik, die schnelle geldpolitische Reaktion der Bank of England und der überraschend starke Dienstleistungssektor. 

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Wahljahr 2017: Alle Augen auf Frankreich

Die Niederlande haben gewählt – für Europa. Gleichzeitig haben sie dem Populismus eine Absage erteilt. Jetzt blickt die ganze Welt nach Frankreich und den dortigen Präsidentschaftswahlkampf. Beim ersten Fernsehduell konnte Emmanuel Macron bei den Franzosen punkten und lag mit Zustimmungswerten von 24% der Fernsehzuschauer vor François Fillon und Marine Le Pen, die jeweils rund 19% der Zuschauer auf ihrer Seite hatten.

Doch welches Ranking ergibt sich, wenn man – losgelöst von jeglicher politischen Komponente oder Wertung – einfach mal nur auf die wirtschaftliche Seite schaut? Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Kandidaten ihre Programme bei einem Wahlsieg zu 100% umsetzen. Geht man allerdings rein hypothetisch einfach einmal davon aus, kann man die wirtschaftlichen Konsequenzen aus den Wahlprogrammen ableiten.

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Das (hypothetische) Ergebnis gleicht dem des Fernsehduells durchaus. Beim Wirtschaftswachstum lägen die meisten der Kandidaten gleichauf: Sowohl Macron als auch Fillon oder Hamon würden bei voller Umsetzung ihrer Wahlversprechen bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5% in 2018 landen. Le Pen wäre hingegen mit einem voraussichtlichen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von lediglich 0,5% wirtschaftlicher Verlierer. 

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Wahljahr: Die Niederlande als europäisches Vorbild?

Die Niederlande haben am Mittwoch gewählt. Das Ergebnis war, wie Alt- und voraussichtlich auch Neu-Ministerpräsident Mark Rutte sagte, „ein Sieg für die Demokratie“. Damit haben meine Landsleute im Wahljahr in Europa ein Zeichen gesetzt – gerade nach dem Brexit-Votum und der Wahl von Trump zum US-Präsidenten.

Ein wesentlicher Faktor war auch die hohe Wahlbeteiligung. Spätestens nachdem viele Briten selbst das Referendum für einen Selbstläufer zu halten schienen, scheint Europa nun aufzuwachen. Die hohe Wahlbeteiligung und das Ergebnis könnten somit auch richtungsweisend werden für die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und im Herbst in Deutschland. Das Wahlergebnis in den Niederlanden ist jedenfalls für die Wirtschaft und den Handel eine gute Nachricht.

Dennoch glänzt nicht alles in königlichem Orange. Die anstehenden Koalitionsverhandlungen und Regierungsbildung in den Niederlanden könnten zäh werden und sich hinziehen. Dieser „Unsicherheitsfaktor“ könnte sich negativ auf das Wirtschaftswachstum der Holländer auswirken. 

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