Unternehmensübernahmen: Dank Brexit auf Diät

Der Brexit erhitzt weiter die Gemüter. Das Drama spitzt sich zu. EU und britische Regierung verhandeln immer noch und der Zeitrahmen wird langsam eng. Darüber vergisst man fast, welche Kollateralschäden diese Unsicherheit schon seit dem Referendum 2016 hinterlassen hat – und das waren nicht nur Hamsterkäufe bei Unternehmen.

Unternehmensübernahmen beispielsweise sind seit 2016 massiv eingebrochen: Durchschnittlich gerade noch 42,4 Milliarden (Mrd.) Britische Pfund (GBP) wurden in Großbritannien seither für M&A Deals auf den Tisch gelegt – das sind ganze 60% weniger als vor dem Referendum. Besonders grenzüberschreitende Übernahmen sind drastisch gesunken.

Die anhaltende Unsicherheit im laufenden Jahr sowie steigende regulatorische Hürden haben zudem anstehende Übernahmen zum Erliegen gebracht. Diese haben sich fast verdoppelt auf 12 Mrd. GBP zum Ende des dritten Quartals.

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Brexit voraus: Hamsterkäufe, Verunsicherung und Verkehrschaos

Die anhaltenden Brexit-Verhandlungen sorgen für große Unsicherheit. Bei Konsumenten, vor allem aber auch in der Wirtschaft und bei Unternehmen – sowohl in der EU als auch vor allem in Großbritannien selbst.

Es ist wie nach einer Sturmwarnung. Die Bewohner der betroffenen Region hasten in den Supermarkt und hamstern riesige Mengen an Lebensmitteln. Die betroffene Region ist Großbritannien, die Bewohner die dortigen Unternehmen und statt Lebensmittel horten die dortigen Unternehmen zunehmend Importwaren.

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IFRS 9 – Blackbox oder Blick in die Glaskugel?

Für viele börsennotierte Unternehmen ist es eine Blackbox und sie bräuchten am besten eine Glaskugel, um in die Zukunft zu schauen: Wie sicher sind offene Forderungen in den kommenden 12 Monaten, wer zahlt und wer vielleicht doch nicht? Und wie kann man das mathematisch herleiten? Was darf überhaupt auf Aktiva-Seite in der Bilanz gebucht werden?

Bisher brauchten Unternehmen keine hellseherischen Fähigkeiten bei der Bilanzierung. Es reichte aus, Wertberichtigung auf Basis von Erfahrungswerten der Vergangenheit vorzunehmen. Sie konnten die tatsächlichen Ausfälle von Forderungen, also den „Incurred Credit Loss“, zugrunde legen und diesen theoretisch 1:1 auf die Zukunft fortschreiben. Wertberichtigungen „über den Daumen gepeilt“ nach dem (oft sehr guten) Bauchgefühl der Finanzchefs. Signifikante Abweichungen gab es trotzdem oft. Die Zukunft ist eben nicht die Vergangenheit und umgekehrt, schon gar nicht im „Auf und Ab“ des Konjunkturzyklus‘.

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China: Genug Geld, um alle Dax-Unternehmen zu kaufen

Seit Jahren investieren chinesische Unternehmen zunehmend im Ausland – meist mit strategischen Zielen. In Afrika und Südamerika, um sich Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern und die Infrastruktur für die eigenen Handelsrouten auszubauen. Immer mehr Investitionen aus dem Reich der Mitte fließen aber in den letzten Jahren auch nach Europa. Dort waren chinesische Unternehmen auf großer Einkaufstour. Besonders Großbritannien, Deutschland, Spanien und Frankreich erfreuten sich einer zunehmend großen Präsenz in den chinesischen Warenkörben.

Im 1. Halbjahr 2018 lagen die chinesischen Unternehmensübernahmen in Europa über dem Vorjahreszeitraum – und mit durchschnittlich 600 Millionen Euro pro Deal auf einem Neunjahreshoch. Vier Mal mehr haben chinesische Unternehmen seit 2014 in Europa investiert als andersherum.

Der deutsche Roboterhersteller Kuka ist nur ein Beispiel. Aber auch bei der Deutschen Bank (zumindest noch) oder sogar bei Daimler halten chinesische Investoren Aktienpakete. Geld haben sie genug. Laut aktuellen Daten der Weltbank dürften sich die chinesischen Devisenreserven auf rund 2,7 Billionen Euro belaufen. Mit diesem vor allem aus Exportüberschüssen der letzten Jahre angehäuften Geld könnten die Chinesen problemlos „aus der Portokasse“ alle 30 Dax-Unternehmen kaufen – und sogar noch viele weitere…

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Handelskrieg kostet Wirtschaftswachstum

Protektionismus ist – zumindest gefühlt – zuletzt wieder auf dem Vormarsch. Sogar von einem drohenden Handelskrieg ist die Rede. Dabei war der Trend in den letzten Jahren eigentlich rückläufig. 467 neue Handelsbarrieren gab es 2017. 2016 waren es noch 827 und in den beiden Jahren zuvor jeweils mehr als 1000.

Vor allem in den USA scheinen Handelsbarrieren aber wieder stark in Mode zu sein: China, Europa, Iran, Türkei, Russland. Sie hatten auch schon im letzten Jahr den zweifelhaften Sieg im „Protektionismus-Bingo“ errungen – und waren für ein Fünftel aller neuen Handelsbarrieren verantwortlich. Genau dort machen sie 2018 weiter. Bemerkenswert ist, dass die Hintergründe für die Maßnahmen oft auch eher politische als wirtschaftliche Interessen sind. Gemeinsam haben sie alle, dass sie kurzfristig implementiert wurden – und so bei Unternehmen für große Verunsicherung sorgen. Planbarkeit ade.

Zwar ist es nach unserer Einschätzung mit rund 55% etwas wahrscheinlicher, dass die wirtschaftliche Vernunft siegen wird. Das heißt, dass eine Einigung der USA mit den Europäern erzielt wird und auch der Konflikt mit China nicht weiter eskaliert. Ein sich zuspitzender Konflikt mit China oder gar ein drohender Handelskrieg hätten massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Zwischen zwei und sechs Prozentpunkten könnte das Wachstum des Welthandels dadurch einbüßen und das Wirtschaftswachstum auf allen Seiten trüben. Das sind erneut keine positiven Szenarien, bei denen das Unternehmerherz lacht.

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Insolvenzen: Wenn die Großen wanken…

Wenn große Unternehmen ins Straucheln geraten, ist das Ausmaß für die Wirtschaft häufig sehr groß. Viele Lieferanten sind plötzlich mit großen Schadenssummen konfrontiert. Häufig auch, weil sie nicht damit gerechnet hatten, dass ein Riese mit einem großen, bekannten Namen tatsächlich fallen könnte. Schon gar nicht in einer Zeit, in der es wirtschaftlich eigentlich rund läuft und in der das weltweite Bruttoinlandsprodukt wächst. Doch genau diese „guten Zeiten“ und die „großen Namen“ lassen Unternehmen manchmal unvorsichtig werden – mit entsprechenden Folgen.

Kumulierter Umsatz der weltweiten Großinsolvenzen (nach Umsatzgröße in Mio. EUR) *

Die Zahlen sprechen für sich. Im ersten Halbjahr 2018 ist die Zahl der weltweiten Großinsolvenzen relativ stabil geblieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es gab zwar drei Fälle mehr, daraus lässt sich jedoch noch kein allgemeiner Trend ableiten. Allerdings ist der kumulierte Umsatz der weltweiten Großinsolvenzen im gleichen Zeitraum um 24% gestiegen – daher dürften auch die Schäden entsprechend deutlich höher ausgefallen sein.

Rund ein Viertel mehr an ausstehenden Forderungen durch gefallene Riesen – eine Zahl, die Unternehmen aufrütteln sollte. Ein großer Name ist keine Garantie. Und auch kein Freifahrtschein, nicht genau hinzusehen.

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Bumerang: Wenn der Schuldenberg zurückschlägt

Die Unternehmen drückt ihr Schuldenberg. Das „billige Geld“ ist wie ein Bumerang. Die niedrigen Zinsen locken. Seit Jahren bewegt sich die Verschuldung von börsennotierten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf Rekordniveau und steigt sogar noch weiter an. Für manche Unternehmen könnte das zum Verhängnis werden. Papier-, Transport- und Textilbranche bergen dabei nach unserer aktuellen Studie die größten Risiken, dass die Verschuldung zurückschlägt.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Dank guter Umsätze und Gewinne ist 2017 die Nettoverschuldungsquote (Net Gearing Ratio) weltweit erstmals wieder gesunken. Sie fiel um 3,2 Prozentpunkte (pp) auf 53%. Rückenwind für die Bilanzen. Allerdings täuscht das kaum über die Tatsache hinweg, dass die Unternehmensverschuldung für Firmen in einigen Wirtschaftszweigen zum Mega-Risiko werden könnte. Insbesondere in Branchen, bei denen ein Strukturwandel großen Investitionsbedarf mit sich bringt. Aber auch regional sind Risiken ungleich verteilt. Die „Schuldenkönige“ sitzen in Portugal, der Türkei, Griechenland und Spanien, die allesamt auch nicht für die beste Zahlungsmoral bekannt sind. In der Türkei kommen zudem große Währungsrisiken hinzu.

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Exportrisiken: die türkische Verunsicherung

Zahlungsrisiken und Insolvenzen in der Türkei sind aktuell auf dem Vormarsch. Die Unsicherheit bei Unternehmenslenkern, die Geschäfte mit türkischen Firmen machen steigt. Nicht von ungefähr. Drum prüfe, wer sich an die Türkei bindet…

Die türkische Lira ist auf Talfahrt. Das war sie schon vor der Eskalation um die Verhaftung von Pater Brunson und den darauf folgenden US-Sanktionen gegen die Türkei. Jetzt ist ein neues Rekordtief erreicht. Die Türken sind aufgerufen, keine iPhones mehr zu kaufen und ihre US-Dollar in Lira zu tauschen, um die Landeswährung zu stützen. Helfen wird das eher wenig – weder der türkischen Wirtschaft noch den Handelspartnern. Wenn zwei Staaten ihre Konflikte über Sanktionen eskalieren lassen, sind Kollateralschäden für die Wirtschaft praktisch vorprogrammiert. Auch wenn die dahinterliegenden Probleme nicht neu sind.

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Wieviel Vertrauen können sich Unternehmen leisten?

Weltweit warten Unternehmen durchschnittlich 66 Tage auf ihr Geld. Das ist ein statistischer Wert, den die Euler Hermes-Experten in ihrem aktuellen „Payment Behaviour“-Report für das vergangene Jahr ermittelt haben. In einem zunehmend stabil erscheinenden wirtschaftlichen Umfeld gedulden sie sich damit 2 Tage länger als in den jeweils fünf Jahren zuvor. Damit signalisieren sie Vertrauen: in eine konjunkturell vielversprechende Zukunft und in die Zahlungskraft ihrer Kunden.

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Deutsche Digitalisierungs-Ampel steht auf Grün

Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft. Sie schafft Werte in Form von Daten und neuen Dienstleistungen. Der Onlinehandel beeinflusst unsere Konsumgewohnheiten. Soziale Netzwerke verändern unsere Kommunikation und die digitale Technik revolutioniert Produktions- und Arbeitsprozesse in Unternehmen aller Branchen.

Wer in der globalen Welt des immer schnelleren Wandels stehen bleibt, hat verloren. Aber ist der Schlüssel zum notwendigen digitalen Erfolg tatsächlich ausschließlich die entsprechende Unternehmensstrategie?

Gute Digitalisierungsgrundlagen in Deutschland

Bei weitem nicht, denn das wirtschaftliche Umfeld ist ebenso entscheidend! Das zeigt der Indikator „Enabling Digitalization Index“ (EDI), den Euler Hermes entwickelt hat. Er misst, in welchen Ländern Unternehmen die besten Digitalisierungsvoraussetzungen finden. Dazu wurden die Rahmenbedingungen in 115 Nationen analysiert.

Wie schnell kommen Unternehmen beispielsweise an einen Kredit? Auf welchem Niveau bewegt sich das zugrunde liegende digitale Grundwissen? Wie viele Menschen sind mobil und digital vernetzt? Welche logistischen Grundlagen gibt est? Wie ausgeprägt sind digitalen Gewohnheiten der Kundenzielgruppe?

Bei der Auswertung dieser fünf Grundsatzfragen haben die USA im Euler Hermes EDI-Ranking die Nase weit vorn. Direkt danach folgen Deutschland und die Niederlande mit solider Infrastruktur, einem hohen Vernetzungsgrad und gutem Grundlagenwissen.

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