China: Genug Geld, um alle Dax-Unternehmen zu kaufen

Seit Jahren investieren chinesische Unternehmen zunehmend im Ausland – meist mit strategischen Zielen. In Afrika und Südamerika, um sich Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern und die Infrastruktur für die eigenen Handelsrouten auszubauen. Immer mehr Investitionen aus dem Reich der Mitte fließen aber in den letzten Jahren auch nach Europa. Dort waren chinesische Unternehmen auf großer Einkaufstour. Besonders Großbritannien, Deutschland, Spanien und Frankreich erfreuten sich einer zunehmend großen Präsenz in den chinesischen Warenkörben.

Im 1. Halbjahr 2018 lagen die chinesischen Unternehmensübernahmen in Europa über dem Vorjahreszeitraum – und mit durchschnittlich 600 Millionen Euro pro Deal auf einem Neunjahreshoch. Vier Mal mehr haben chinesische Unternehmen seit 2014 in Europa investiert als andersherum.

Der deutsche Roboterhersteller Kuka ist nur ein Beispiel. Aber auch bei der Deutschen Bank (zumindest noch) oder sogar bei Daimler halten chinesische Investoren Aktienpakete. Geld haben sie genug. Laut aktuellen Daten der Weltbank dürften sich die chinesischen Devisenreserven auf rund 2,7 Billionen Euro belaufen. Mit diesem vor allem aus Exportüberschüssen der letzten Jahre angehäuften Geld könnten die Chinesen problemlos „aus der Portokasse“ alle 30 Dax-Unternehmen kaufen – und sogar noch viele weitere…

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Handelskrieg kostet Wirtschaftswachstum

Protektionismus ist – zumindest gefühlt – zuletzt wieder auf dem Vormarsch. Sogar von einem drohenden Handelskrieg ist die Rede. Dabei war der Trend in den letzten Jahren eigentlich rückläufig. 467 neue Handelsbarrieren gab es 2017. 2016 waren es noch 827 und in den beiden Jahren zuvor jeweils mehr als 1000.

Vor allem in den USA scheinen Handelsbarrieren aber wieder stark in Mode zu sein: China, Europa, Iran, Türkei, Russland. Sie hatten auch schon im letzten Jahr den zweifelhaften Sieg im „Protektionismus-Bingo“ errungen – und waren für ein Fünftel aller neuen Handelsbarrieren verantwortlich. Genau dort machen sie 2018 weiter. Bemerkenswert ist, dass die Hintergründe für die Maßnahmen oft auch eher politische als wirtschaftliche Interessen sind. Gemeinsam haben sie alle, dass sie kurzfristig implementiert wurden – und so bei Unternehmen für große Verunsicherung sorgen. Planbarkeit ade.

Zwar ist es nach unserer Einschätzung mit rund 55% etwas wahrscheinlicher, dass die wirtschaftliche Vernunft siegen wird. Das heißt, dass eine Einigung der USA mit den Europäern erzielt wird und auch der Konflikt mit China nicht weiter eskaliert. Ein sich zuspitzender Konflikt mit China oder gar ein drohender Handelskrieg hätten massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Zwischen zwei und sechs Prozentpunkten könnte das Wachstum des Welthandels dadurch einbüßen und das Wirtschaftswachstum auf allen Seiten trüben. Das sind erneut keine positiven Szenarien, bei denen das Unternehmerherz lacht.

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Insolvenzen: Wenn die Großen wanken…

Wenn große Unternehmen ins Straucheln geraten, ist das Ausmaß für die Wirtschaft häufig sehr groß. Viele Lieferanten sind plötzlich mit großen Schadenssummen konfrontiert. Häufig auch, weil sie nicht damit gerechnet hatten, dass ein Riese mit einem großen, bekannten Namen tatsächlich fallen könnte. Schon gar nicht in einer Zeit, in der es wirtschaftlich eigentlich rund läuft und in der das weltweite Bruttoinlandsprodukt wächst. Doch genau diese „guten Zeiten“ und die „großen Namen“ lassen Unternehmen manchmal unvorsichtig werden – mit entsprechenden Folgen.

Kumulierter Umsatz der weltweiten Großinsolvenzen (nach Umsatzgröße in Mio. EUR) *

Die Zahlen sprechen für sich. Im ersten Halbjahr 2018 ist die Zahl der weltweiten Großinsolvenzen relativ stabil geblieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es gab zwar drei Fälle mehr, daraus lässt sich jedoch noch kein allgemeiner Trend ableiten. Allerdings ist der kumulierte Umsatz der weltweiten Großinsolvenzen im gleichen Zeitraum um 24% gestiegen – daher dürften auch die Schäden entsprechend deutlich höher ausgefallen sein.

Rund ein Viertel mehr an ausstehenden Forderungen durch gefallene Riesen – eine Zahl, die Unternehmen aufrütteln sollte. Ein großer Name ist keine Garantie. Und auch kein Freifahrtschein, nicht genau hinzusehen.

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Bumerang: Wenn der Schuldenberg zurückschlägt

Die Unternehmen drückt ihr Schuldenberg. Das „billige Geld“ ist wie ein Bumerang. Die niedrigen Zinsen locken. Seit Jahren bewegt sich die Verschuldung von börsennotierten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf Rekordniveau und steigt sogar noch weiter an. Für manche Unternehmen könnte das zum Verhängnis werden. Papier-, Transport- und Textilbranche bergen dabei nach unserer aktuellen Studie die größten Risiken, dass die Verschuldung zurückschlägt.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Dank guter Umsätze und Gewinne ist 2017 die Nettoverschuldungsquote (Net Gearing Ratio) weltweit erstmals wieder gesunken. Sie fiel um 3,2 Prozentpunkte (pp) auf 53%. Rückenwind für die Bilanzen. Allerdings täuscht das kaum über die Tatsache hinweg, dass die Unternehmensverschuldung für Firmen in einigen Wirtschaftszweigen zum Mega-Risiko werden könnte. Insbesondere in Branchen, bei denen ein Strukturwandel großen Investitionsbedarf mit sich bringt. Aber auch regional sind Risiken ungleich verteilt. Die „Schuldenkönige“ sitzen in Portugal, der Türkei, Griechenland und Spanien, die allesamt auch nicht für die beste Zahlungsmoral bekannt sind. In der Türkei kommen zudem große Währungsrisiken hinzu.

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Exportrisiken: die türkische Verunsicherung

Zahlungsrisiken und Insolvenzen in der Türkei sind aktuell auf dem Vormarsch. Die Unsicherheit bei Unternehmenslenkern, die Geschäfte mit türkischen Firmen machen steigt. Nicht von ungefähr. Drum prüfe, wer sich an die Türkei bindet…

Die türkische Lira ist auf Talfahrt. Das war sie schon vor der Eskalation um die Verhaftung von Pater Brunson und den darauf folgenden US-Sanktionen gegen die Türkei. Jetzt ist ein neues Rekordtief erreicht. Die Türken sind aufgerufen, keine iPhones mehr zu kaufen und ihre US-Dollar in Lira zu tauschen, um die Landeswährung zu stützen. Helfen wird das eher wenig – weder der türkischen Wirtschaft noch den Handelspartnern. Wenn zwei Staaten ihre Konflikte über Sanktionen eskalieren lassen, sind Kollateralschäden für die Wirtschaft praktisch vorprogrammiert. Auch wenn die dahinterliegenden Probleme nicht neu sind.

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Wieviel Vertrauen können sich Unternehmen leisten?

Weltweit warten Unternehmen durchschnittlich 66 Tage auf ihr Geld. Das ist ein statistischer Wert, den die Euler Hermes-Experten in ihrem aktuellen „Payment Behaviour“-Report für das vergangene Jahr ermittelt haben. In einem zunehmend stabil erscheinenden wirtschaftlichen Umfeld gedulden sie sich damit 2 Tage länger als in den jeweils fünf Jahren zuvor. Damit signalisieren sie Vertrauen: in eine konjunkturell vielversprechende Zukunft und in die Zahlungskraft ihrer Kunden.

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Deutsche Digitalisierungs-Ampel steht auf Grün

Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft. Sie schafft Werte in Form von Daten und neuen Dienstleistungen. Der Onlinehandel beeinflusst unsere Konsumgewohnheiten. Soziale Netzwerke verändern unsere Kommunikation und die digitale Technik revolutioniert Produktions- und Arbeitsprozesse in Unternehmen aller Branchen.

Wer in der globalen Welt des immer schnelleren Wandels stehen bleibt, hat verloren. Aber ist der Schlüssel zum notwendigen digitalen Erfolg tatsächlich ausschließlich die entsprechende Unternehmensstrategie?

Gute Digitalisierungsgrundlagen in Deutschland

Bei weitem nicht, denn das wirtschaftliche Umfeld ist ebenso entscheidend! Das zeigt der Indikator „Enabling Digitalization Index“ (EDI), den Euler Hermes entwickelt hat. Er misst, in welchen Ländern Unternehmen die besten Digitalisierungsvoraussetzungen finden. Dazu wurden die Rahmenbedingungen in 115 Nationen analysiert.

Wie schnell kommen Unternehmen beispielsweise an einen Kredit? Auf welchem Niveau bewegt sich das zugrunde liegende digitale Grundwissen? Wie viele Menschen sind mobil und digital vernetzt? Welche logistischen Grundlagen gibt est? Wie ausgeprägt sind digitalen Gewohnheiten der Kundenzielgruppe?

Bei der Auswertung dieser fünf Grundsatzfragen haben die USA im Euler Hermes EDI-Ranking die Nase weit vorn. Direkt danach folgen Deutschland und die Niederlande mit solider Infrastruktur, einem hohen Vernetzungsgrad und gutem Grundlagenwissen.

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Protektionismus 2018: Wie Du mir, so ich Dir?

Der Protektionismus ist zurück. Mit aller Macht, mit lauten Drohungen und unüberschaubaren Konsequenzen. Weltweit wurden im vergangenen Jahr zwar nur noch 467 neue protektionistische Maßnahmen zum Schutz der eigenen Wirtschaft eingeführt, aber die jüngsten Ankündigungen aus den Vereinigten Staaten lassen selbst die sonst so besonnenen EU-Kommissare mit den Säbeln rasseln. US-Strafzölle auf Stahlimporte sollen mit EU-Strafzöllen auf Motorräder, Jeans und Orangensaft beantwortet werden.

Die Reaktion kommt nicht von ungefähr: Schon 2017 gingen knapp 20% der neuen weltweiten Handelbarrieren auf das Konto der US-Regierung. Dies belegt der aktuelle Protektionismus-Report von Euler Hermes.

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Mit 100 in die digitale Zeit

Jetzt sind wir 100. Kann man die Kreditversicherung nun als „Dinosaurier“ abstempeln? Von wegen. Denn auch das Alter ist eine Frage der Einstellung: Wir könnten ja auch sagen, dass wir 34 sind, wenn das Leben laut Udo Jürgens mit 66 erst anfängt. Aber auf unsere jahrhundertalte Erfahrung im Umgang mit Kreditrisiken sind wir stolz. Denn das ist unser Kapital, mit dem wir und andere Unternehmen schwungvoll ins digitale Jahrhundert starten.

Die Zeit der Firmengründung ist sicherlich nicht mit der heutigen zu vergleichen. Damals, 1917, stand die Welt am Abgrund. Heute läuft die deutsche Wirtschaft wie am Schnürchen – anscheinend nichts kann sie erschüttern. Anscheinend! Denn eine Wahrheit bleibt im Rückblick unumstößlich: Wer sich im internationalen Handelsgeflecht nur auf den Wirtschaftsmotor verlässt, kann langfristig das Nachsehen haben. Oft ist nichts so, wie es scheint. Irrtümer können praktisch über Nacht zu einer Existenzbedrohung für Unternehmen und ihre Angestellten werden. Das war vor 100 Jahren so und wird auch in 100 Jahren noch so sein.

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Steigende Großinsolvenzen: Wake-Up-Call für Unternehmenslenker

Auf den ersten Blick läuft 2017 doch sensationell! Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten scheint sich trotz aller Diskussionen wieder mehr politische Stabilität in Europa abzuzeichnen. Außerdem nimmt die Konjunkturerholung weltweit  endlich Fahrt auf.

Die „Heatmap“ im aktuellen Konjunkturbericht von „High Stake Games“ zeigt ein ausgewogenes Bild: Wir gehen davon aus, dass die Insolvenzen 2017 insgesamt um 1% zurückgehen, aber im kommenden Jahr wieder um 1% steigen.

heatmapinsolvenzen

Wie so oft lohnt der Blick hinter die Kulissen. Weltweit wachsen Liquiditätsbestände in Unternehmensbilanzen auf Rekordniveaus. Lange Forderungslaufzeiten belasten Geschäftsaktivitäten. Zudem steigen Insolvenzen von Firmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro überproportional an.

Schon jedes einzelne Signal ist beunruhigend. In der Summe sind es ernstzunehmende Herausforderungen für Unternehmen. Die Extremrisiken steigen, weil die Entwicklungen in den Regionen und Branchen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Besonders viele große Insolvenzen sehen wir beispielsweise im Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor. Regional gesehen gibt es einen Schwerpunkt bei amerikanischen Einzelhändern und Dienstleister, aber auch Unternehmen in China und Brasilien sind betroffen.

Chinesische Unternehmen müssen mittlerweile durchschnittliche Forderungslaufzeiten von 89 Tagen überbrücken. Das ist sogar noch ein Tag mehr, als griechische Unternehmen im Durchschnitt auf ihr Geld warten müssen. Damit liegen diese Regionen deutlich über dem globalen Durchschnitt von 64 Tagen. Aber ganze 9% aller Unternehmen weltweit leiden sogar unter durchschnittlichen Forderungslaufzeiten von mehr als vier Monaten.

Kein Sektor ist sicher vor Ansteckungsgefahren

Dass die Zahl der Insolvenzen in diesem Umfeld nicht abnimmt, ist vor dem Hintergrund wenig verwunderlich. Aber es fällt auf, dass vor allem Unternehmen betroffen waren, denen man aufgrund ihrer Größe den notwendigen Atem in schwierigen Situationen am ehesten zutraut. Weltweit haben in den ersten drei Monaten diesen Jahres 74 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro Insolvenz angemeldet. Das sind 30 mehr als im ersten Quartal 2016. Auch regional zeichnen sich Spitzen ab: 25 europäische Konzerne mussten schließen, während es in den USA nur acht waren.

Diese Fakten sollten als Wake-Up-Call bei jedem Unternehmenslenker ankommen. Denn eine Insolvenz, vor allem die eines bedeutenden Unternehmens, kann einen Domino-Effekt auslösen. Wenn Dienstleister in einer Wertschöpfungskette davon überrascht werden, können sie selbst in Schwierigkeiten geraten. Momentan stehen die Unternehmen in Branchen wie der Dienstleistungs- und Einzelhandelsindustrie durch den digitalen Wandel und veränderte Kundenbedürfnisse unter enormen Druck. Aber wie schnell könnte frt Funke einer großen, unerwarteten Insolvenz über Zulieferer beispielsweise auch auf die Elektronik– oder die Textilbranche überspringen? Im Prinzip ist kein Sektor vor einem Flächenbrand sicher.

Rekordsummen auf Firmenkonten

Die große Unsicherheit drückt sich auch in den weltweiten Unternehmensbilanzen in immensen Liquiditätspositionen aus. Per Ende 2016 lag eine Rekordsumme in Höhe von 7 Billionen USD auf den Firmenkonten, den Finanzsektor nicht mitgerechnet. Die Summe entspricht fast 10% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) und hat sich seit der Finanzkrise 2007 von 3,5 Billionen USD verdoppelt. Und das, obwohl das globale Wirtschaftswachstum in diesem Zeitraum gestiegen ist und damit die Cash-Maschinen ankurbeln sollten.

Der anhaltende Spartrend spiegelt die Unsicherheit der Firmen angesichts der verschiedenen globalen Risiken wider. Und auch hier gibt es in den verschiedenen Regionen und Branchen besondere Ausprägungen. Während amerikanische Unternehmen rund 30 Prozent in Barreserven halten, haben chinesische Unternehmen ihre Cash-Positionen seit 2010 verdoppelt. Asiatisch-pazifische Firmen horten damit die höchsten Bargeldvolumina und halten 44 Prozent am weltweiten Liquiditätsbestand. In Westeuropa ist der Akkumulationstrend insgesamt nicht so stark ausgeprägt und verteilt sich uneinheitlich auf die verschiedenen Länder.

Trotzdem bleibt unter dem Strich festzuhalten: Die Chancen und Risiken in den einzelnen Ländern und Branchen müssen aus einer individuellen Unternehmensperspektive aufmerksam beobachtet werden. Denn am Ende ist nichts ist so, wie es scheint. Und oft schon gar nicht so sicher, wie man eigentlich dachte.

Mehr Details und die aktuelle Studie gibt es hier.