Raue See in der Schifffahrt – Konsolidierung am Horizont

Die See ist derzeit rau für die Schifffahrt. Schon seit Jahren dauert die Krise an. Aber so langsam geht es einigen an die Substanz. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Beispiele in der Containersparte.

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Kurz zu den Fakten: Zwischen Januar und Mai 2016 sind die Insolvenzen in der Branche um mehr als 10% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Branche leidet also auch weiterhin an Überkapazitäten, Fracht- und Charterraten auf einem Rekordtief  bei einem gleichzeitig schwächelnden Welthandel – mit integriertem Dominoeffekt auf finanzierende Fonds und Banken. Vor allem die Container-Reeder setzen auf Fusionen oder Allianzen, um diesem Sturm zu trotzen. Ein Ende der Konsolidierung ist derzeit jedoch nicht in Sicht. 

Zu langsam: die Weltwirtschaft

Das Warum ist kein Geheimnis: Angebot und Nachfrage klaffen auseinander. Die Weltwirtschaft wächst 2016 so langsam wie seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr. Der Wert des Welthandels in US-Dollar schrumpft 2016 sogar erneut. Auch für 2017 sind die Aussichten eher verhalten.

Zwar haben die Reedereien gleichzeitig von den stark gesunkenen Ölpreisen profitiert, dennoch reicht dies in einigen Fällen nicht aus, um die niedrigen Raten zu kompensieren. Deshalb bleiben die Risiken in der Branche auch weiterhin hoch und insbesondere in einigen Sparten wird es auch weiterhin zu Insolvenzen kommen.

Perfekter Sturm – Allianzen als Allheilmittel?

Ein Container auf der Asienroute kostet heute etwa die Hälfte als noch vor vier Jahren. Die Containerschifffahrt ist in der Folge mit ihrer größten Krise konfrontiert. Das geht bei einigen ans Eingemachte, vor allem wenn über den langen Zeitraum der anhaltenden Krise die Puffer bereits aufgebraucht sind.

Insofern ist es schon fast ein perfekter Sturm, dem die großen Containerreedereien versuchen, mit Allianzen und Fusionen zu begegnen, um ihre eigene Schiffe besser auszulasten, ihre Marktmacht zu stärken, Kosten zu senken und damit die eigene Profitabilität stützen. Trotz dieser Maßnahme werden einige Reedereien erhebliche Verluste schreiben.

Schneeballeffekt auf Charterreedereien und Banken

Die weltweite Konsolidierungs- und Fusionswelle ist noch nicht zu Ende. Durch Allianzen und Fusionen gehen viele gecharterte Schiffe auch an die Eigner zurück. Das löst eine regelrechte Kettenreaktion aus und trifft vor allem die kleineren Reeder hart. Insbesondere Charterreedereien mit nur wenigen Schiffen und ohne eigene Dienste oder Zugang zu Fracht leiden darunter. Sie können bei den aktuellen Charterraten auf Rekordtief kaum kostendeckend arbeiten und die finanzielle Decke ist in vielen Fällen durch die andauernde Schifffahrtskrise dünn. Das ist ein Teufelskreis, der in der Folge auch Schiffsfonds mit in ihren Sog zieht und finanzierenden Banken zum Teil erhebliche Schäden durch ausgefallene Kredite beschert.

Mehr dazu finden Sie auch in unserer Marktanalyse zur Schifffahrt.