Warum die Modebranche am seidenen Faden hängt

Die Risiken in der Modebranche – insbesondere im textilen Einzelhandel – sind weiterhin hoch. Das ist spätestens nach sechs namhaften Insolvenzen 2016 kein Geheimnis mehr. Doch warum ist das so? Der Online-Handel ist schuld. Ja, auch das. Vor allem ist ein Strukturwandel in vollem Gange, die Konkurrenz durch den Online-Handel wird immer stärker und der Investitionsbedarf dadurch entsprechend höher.

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Doch woher nehmen und nicht stehlen?

Die stagnierenden Umsätze, geringe Margen und ein dadurch anhaltend hoher Wettbewerbsdruck machen vielen Unternehmen in der Modebranche zunehmend zu schaffen – trotz des relativ stabilen Konsums, der die Branche stützt. Die Zahlungsziele in der Branche zum Teil zudem häufig sehr lang und die Lieferantenfinanzierung durch das Ausreizen dieser Fristen alles andere als selten. Bei einigen Marktteilnehmern ist der finanzielle Spielraum für notwendige Investitionen in den Strukturwandel demnach eher gering.

Einige textile Einzelhändler hängen derzeit deshalb am seidenen Faden. Durch die geringen Margen ist die Ertragsprognose und Liquiditätsdecke bei einigen Firmen relativ gering und das Ausfallrisiko in einigen Fällen hoch und Pleiten damit fast vorprogrammiert. Insgesamt beobachten wir, dass die Bonität in der Branche im Durchschnitt abnimmt. Es wird sicher auch in der Zukunft das eine oder andere Textilunternehmen geben, das in Schieflage gerät.

Hoffentlich spielt das Wetter mit

Das Wetter spielt in der Branche eine große Rolle. Ist der Sommer verregnet, will keinen einen Bikini – es sei denn mit Rollkragen. Ist Herbst zu warm, werden Wollpullis und warme Stiefel zu Ladenhütern und füllen die Lager – bis zum nächsten „Sale“, der zusätzlich auf die Marge geht.

Neben einem hohen Preisdruck, vor allem getrieben durch Bekleidungs-Discounter, kämpft die Branche zudem mit der Notwendigkeit einer umfassenden Multi-Channel-Strategie, die mit hohen Investitionen verbunden ist.

Multichannel – aber richtig

Der Onlinehandel verzeichnet ein überproportionales Wachstum. Pullis, Bücher, Handys oder Wasserkocher haben eines gemeinsam: Es sind Produkte, die sehr gut vergleichbar sind und wenig beratungsintensiv. Deshalb ist bei Elektronikartikeln, Büchern und eben auch Textilien der Online-Anteil am Umsatz heute schon sehr hoch, während Möbel, Heimwerkerbedarf und Lebensmittel noch überwiegend im stationären Handel gekauft werden.

Die „richtige“ Multichannel-Strategie gibt es allerdings nicht von der Stange. Sie muss maßgeschneidert sein und zu den individuellen Schwerpunkten des jeweiligen Konzepts passen.

Online ist das neue Schwarz?

Allerdings ist der Internetversand auch kein Allheilmittel, weil Unternehmen für Investitionen und teilweise lange Anlaufphasen hohe Kosten einplanen müssen. Händler mit geringer Marge müssen diese Aufwendungen auch finanzieren können. Deshalb kommt es letztlich auf die Margen und die Dicke der Finanzdecke an. Wer mehr Marge hat und mehr finanziellen Spielraum, ist auch automatisch beim Strukturwandel weit vorne dabei. Eine Wild Card quasi. Auch davon gibt es in der Branche einige gute Beispiele von Unternehmen, die in einer guten Ausgangslage sind.

Mehr dazu in unserer Marktanalyse zur Textilindustrie, insbesondere zum textilen Einzelhandel.