Brexit: Die Ruhe vor dem (Insolvenz-)Sturm

Es ist (noch) die Ruhe vor dem Sturm. Im Mai sollen die Brexit-Verhandlungen starten. Auch wenn sich die Wirtschaft derzeit noch relativ gut hält, ziehen ab 2017 erste kräftige Böen auf. Wir gehen für die kommenden Jahre weiterhin von deutlichen Einbußen beim britischen Bruttoinlandsprodukt aus.

Zudem erwarten wir erstmals nach vier Jahren wieder steigenden Insolvenzen im Vereinten Königreich. Ganz unabhängig vom Brexit-Szenario. Nur: Je härter der Austritt, desto härter der Aufprall. Ob Theresa May wirklich den „Hard Brexit“ anstrebt?

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Ähnliches gilt im Übrigen auch weiterhin für die Währung. Ein Kollaps droht. 2018 wird das Pfund nach unseren Einschätzungen mit dem Euro gleichziehen. Auch wenn es die Waren im Ausland verbilligt, drückt dies gleichzeitig erheblich auf die Gewinne der Unternehmen. Die Finanzdecke wird dadurch nicht dicker. Der eine oder andere dürfte es dann schwer haben, zumal sich bereits in diesem Jahr die Zahlungsmoral britischer Unternehmen verschlechtert hat. Papierindustrie, Dienstleistungssektor, Baugewerbe und Textilbranche zahlen deutlich später – auch branchenübergreifend sinkt die Zahlungsmoral in Großbritannien im Schnitt, mit nur wenigen rühmlichen Ausnahmen.

Übernahmen & Investitionen „on hold“

Viele geplante Übernahmen oder Fusionen sind derzeit „on hold“ – 30% mehr als noch vor einem Jahr. Viele Unternehmen warten ab bis die Austrittsverhandlungen tatsächlich starten und sie die Lage besser einschätzen können. So lange hängen Investitionspläne, Fusionen oder auch die Personalplanung komplett in der Luft. Nicht verwunderlich, schließlich fußen Investitionen – wie in allen Ländern – auf Vertrauen. Gerade dürfte genau dies an ziemlich jeder Ecke fehlen.

In investitionsintensiven Branchen wie Luftfahrt, Bau, Metall oder IT könnte sich das rächen und später in Form von weniger Output und Jobverlusten zurückschlagen. Automobilsektor, Chemie- und Papierindustrie kämpfen hingegen mit Währungsschwankungen und der damit verbundenen Unsicherheit.

Nervosität & Spekulationen steigen

Mit jeder kleinen Brexit-Unsicherheit, mit jeder Spekulation, ob es eventuell doch ein „Hard Brexit“ werden könnte, wird die Nervosität bei den Unternehmen weiter steigen. Der Sturm ist am Horizont schon zu erkennen – auch wenn es derzeit noch windstill ist. Ab 2017 geht es dann aber langsam los. Unternehmen sollten ihre Häuser bis dahin besser schon mal wetterfest machen.

Mehr Informationen zum Thema Brexit finden Sie übrigens auch hier. Eine Studie zu den möglichen Szenarien und entsprechenden Folgen für Großbritannien und Europa sowie zu Länderrisiko und wirtschaftlichen Details stehen ebenfalls zur Verfügung.