Protektionsimus-Bingo: Wer spielt mit?

Man könnte meinen, dass in Zeiten der Globalisierung Handelsbarrieren eher sinken als zunehmen. Doch weit gefehlt. „Protektionismus-Bingo“ erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit und protektionistische Maßnahmen nehmen sogar zu – damit auch ja niemand vom fremden „Tellerchen“ essen kann.

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Allein seit Anfang 2014 bis Mitte 2016 haben wir mehr als 1.800 neue Handelsbarrieren gezählt. Das sind im Schnitt fast 60 neue Handelsbarrieren pro Monat, über 10 pro Woche. Sie bremsen den weltweiten Export und es kann für manchen deutschen Exporteur zum Risiko werden.

Nur ein Beispiel: Ein französischer Fischer oder ein italienischer Parmesanhersteller verkaufen ihre Waren nach Russland und verschiffen diese anschließend per Schiff dorthin. Sie waren bereits unterwegs, als die russischen (Gegen-)Sanktionen auf Lebensmittel aus der EU in Kraft treten und kommen gar nicht erst in Russland „rein“. Für den Rückweg ist keine Zeit, bis dahin wären die Lebensmittel verdorben. Es bleibt also nur die Möglichkeit, schnell andere Abnehmer in der näheren Umgebung zu finden. Auf die Schnelle natürlich zu einem wesentlich geringeren Verkaufspreis und entsprechenden Verlusten.

Russland führt bei den Handelsbarrieren

Russland ist eindeutiger Spitzenreiter bei den neu eingeführten Handelsbarrieren mit sage und schreibe 202 protektionistischen Maßnahmen seit Anfang 2014, gefolgt von Indien (158) und den USA (126). Auch die Brasilianer versuchen mit neuen Einschränkungen beim Warenverkehr zu verhindern, dass andere von ihrem Tellerchen essen. Indonesien und Argentinien wollen sich ebenfalls ungern die Nudeln aus der Suppe oder Steaks vom Grill nehmen lassen. Japan und China spielen ebenso fleißig mit beim Protektionismus-Bingo.

Vielfältig: Importverbot auf Reis oder Steuern auf Zitronensäure

Stahlrohre aus der EU, Japan und den USA sind China beispielsweise ein Dorn im Auge, Holz-Zellstoff aus den USA, Kanada oder Brasilien, aber auch zahlreiche Konsumgüter sind in China mit Handelsbarrieren belegt. Die Amerikaner wehren sich gegen Importe von Kaliumpermanganat oder Solarmodule aus China oder Stahlsaitenbeton aus Brasilien, Indien, Japan, Korea, Mexiko oder Thailand.

Von der Erhebung von Zöllen oder Antidumping Strafzöllen bis zur Einführung unterschiedlicher Normen und Richtlinien für bestimmte Waren ist alles dabei.

Die meisten sind so speziell, dass sie nur wenigen bekannt sind – in der Regel nur den betroffenen Unternehmen. Wer kennt schon das Importverbot für Reis in Gambia oder die Steuern, die in Kasachstan auf chinesische Zitronensäure anfallen? Freihandel sieht jedenfalls anders aus…