Staatliches „Tuning“ in der globalen Autoindustrie

Subventionen sind häufig Fluch und Segen zugleich. Mit staatlichem Turbo wächst es sich leichter. Doch was, wenn dieser plötzlich ausfällt? Dann wird es zumindest kurzfristig eher schwierig. Das ist wie wenn einem auf der Autobahn plötzlich der Sprit ausgeht.

Diesen Effekt sieht man auch immer wieder in der Wirtschaft, allen voran in der Automobilindustrie, die mit dem Pariser Autosalon derzeit im Fokus steht.

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Das staatliche „Tuning“ ist in der Branche aktuell vielerorts verbreitet. Subventionen, Steuersenkungen und Marktanreize sind derzeit ein maßgebliche Treiber der globalen Automobilindustrie.

Für eine möglichst gute Marktposition ihrer Autobauer greifen insbesondere die USA, China und Spanien auch gerne in die Staatskasse. Großbritannien dürfte angesichts der erwarteten Brexit-Folgen künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen.

Die USA wollen beispielsweise in den kommenden zehn Jahren insgesamt 4 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung autonomer Fahrzeuge stecken.

Die Spanier setzen auf die auch in Deutschland wohlbekannte „Abwrackprämie“, um die dortigen Verkaufszahlen zu stützen. Noch bläst der Wind kräftig, das dürfte für ein ordentliches Plus bei den verkauften Autos im laufenden Jahr sorgen. Aber 2017 wird sich der Wind drehen und die Branche wird mit einem deutlichen Rückgang zu kämpfen haben. Aus dem Segen wird dann, zumindest kurzfristig, plötzlich ein Fluch.

Staatlich angekurbeltes Wachstum findet sich (wenig überraschend) auch auf dem chinesischen Automobilmarkt, der für die Regierung beim angestrebten Strukturwandel weg vom Produktionsland und hin zu einem Dienstleistungsland als strategisch gilt.

Die China Formel: Weiterentwicklung + Subventionen = Marktanteile

Die Steuersenkung für Einstiegs- und Mittelklassewagen im vergangenen Jahr sorgen für ein Plus bei den Verkaufszahlen. Sie kommen dabei vor allem den heimischen Herstellern zugute, die dadurch ihren Marktanteil ausbauen konnten.

Ihr Erfolg ist jedoch nicht nur preis- oder subventionsbedingt. Sie haben in einigen Bereichen gegenüber westlichen Herstellern stark aufgeholt und ihr Produktangebot schnell erneuert und sich auf das beliebte Einstiegssegment spezialisiert. Die Nachfrage kommt dabei insbesondere aus dem chinesischen Hinterland, wo sukzessive Einkommen und Kaufkraft steigen und das Statussymbol Auto so plötzlich in greifbare Nähe rückt.

Sichere Bank: Automobil im strategischen Fokus in China

Diese Subventionen in China werden wohl auch über 2016 hinaus verlängert – und ein weiteres Wachstum damit gesichert. Sollte dies nicht der Fall sein, stünde den Absatzzahlen in China 2017 ein Rückschlag bevor. Kaum wahrscheinlich bei einer strategischen Branche.

Man könnte bei all diesen Förderungen der heimischen Autobauer in China glauben, der Markt habe viel von einem „closed shop“. Aber die westlichen Hersteller spielen trotzdem eine große Rolle. Auch sie profitieren weiterhin erheblich vom dortigen Wachstum – und stehen gleichzeitig in einer erheblichen Abhängigkeit.

Sorgen machen in China aber die insgesamt sehr langen Zahlungsziele und die steigenden Insolvenzen. Die Zahlungsmoral hat sich in den letzten Jahren im ganzen Land erheblich verschlechtert. Traditionell bezahlen Unternehmen in der Automobilindustrie besonders spät.

Da ist es hilfreich, wenn man nicht nur von einem einzigen Markt abhängig ist.

Detaillierte Informationen zur Automobilindustrie finden Sie übrigens in unserer aktuellen Studie „Public bumpers for the automotive industry„.