Fake President: Warum grobe Fahrlässigkeit kein Thema ist

Grobe Fahrlässigkeit spielt bei der Betrugsmasche „Fake President“ oder „falscher Chef“ keine Rolle. Warum? Diese Betrügereien sind alles Fälle, die sich ganz spontan und innerhalb weniger Tage ereignen. Zwischen dem Erstkontakt und der letzten Überweisung liegen meistens maximal drei Tage.

Ein Vorstand kann da kaum Maßnahmen ergreifen. Häufig sind zudem Tochtergesellschaften im Ausland im Visier der Betrüger. Man kann ja nicht täglich überall alles prüfen.

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Da hält selbst der beste interne Prozess zur Verhinderung von Betrug nicht Schritt. Zumal das durchdachte „Social Engineering“ der Betrüger regelmäßig die internen Prozesse wie das 4-Augen-System erfolgreich aushebelt.

Deshalb sind Fake President Fälle in der Vertrauensschadenversicherung gedeckt. Jedenfalls bei Euler Hermes. Grobe Fahrlässigkeit kann nach unserer Auffassung auf diese Masche nicht angewendet werden.

Bei einem Betrug oder einer wirtschaftskriminellen Handlung, die über viele Monate oder Jahre laufen, ist das in manchen Fällen anders.

Prozesse sind wichtig

Für solche Betrugsfälle können sich Unternehmen wappnen. Sie können Prozesse zur regelmäßigen Überprüfung und Compliance Maßnahmen aufsetzen, die in Betrugsfällen greifen. Turnusmäßige Überprüfungen sollten kriminelle Handlungen aufdecken können. Je länger der Betrug läuft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit.

Ergreift ein Vorstand in einem Fall also keinerlei Maßnahmen, um mögliche Betrugsfälle zu identifizieren und finden keinerlei Überprüfungen statt, wäre es möglich, sein Handeln als „grobe Fahrlässigkeit“ zu werten. Ein Mitverschulden durch Unterlassung quasi. Das könnte in manchen Fällen bedeuten, im Schadensfall gibt es etwas weniger Geld.

Keine Chance bei Fake President

Bei „Fake President“ allerdings hat der CEO oder CFO keine Chance – wenn er nicht gerade selbst das Geld an die Betrüger überweist. Ja, das Risiko bei der Masche mit dem falschen Chef ist hoch. Die Schadenssummen waren zuletzt häufig im zweistelligen Millionenbereich. Aber wäre das Risiko gering, wäre eine Versicherung ja auch eher Kosmetik.

Es mag Versicherer geben, denen das Risiko zu hoch ist und die eventuell auch prüfen, das Risiko auszuschließen. Diese Entscheidung steht jedem frei. Grobe Fahrlässigkeit ist aber kein probates Mittel dafür.

Euler Hermes hat als Marktführer den gegenteiligen Weg eingeschlagen und die Versicherungssummen für „Fake President“ verfünffacht. Großes Risiko, größerer Schutz. Ohne grobe Fahrlässigkeit im Kleingedruckten bei dieser „Fast Fraud“ Masche.