Monthly Archives: März 2017

Warum die Brexit-Auswirkungen später kommen als erwartet

Am 29. März will die britische Regierung ihren Austritt aus der Europäischen Union (EU) formell beantragen. Der Brexit wird dann quasi „amtlich“. Bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser die Themse hinunter. Derzeit sogar noch bei recht freundlicher wirtschaftlicher Stimmung.

Die meisten Experten haben mit einem einmaligen harten Einschnitt durch den Brexit gerechnet. Das ist nicht eingetreten. Lagen die Analysten deshalb alle falsch mit ihren Negativ-Prognosen? Mitnichten. Der kumulative Effekt, beispielsweise bei Wirtschaftswachstum oder Insolvenzen, wird in den kommenden Jahren fast der gleiche sein.  Großbritannien wird die wirtschaftlichen Auswirkungen noch zu spüren bekommen. Nicht auf einen Schlag, aber schleichend.

Aber: Die britischen „Puffer“ wurden von fast allen stark unterschätzt. Insgesamt gibt es vier Hauptgründe, warum sich die negativen Brexit-Effekte verzögert haben: Der solide britische Privatkonsum auf Kosten der Ersparnisse, die unterstützende Fiskalpolitik, die schnelle geldpolitische Reaktion der Bank of England und der überraschend starke Dienstleistungssektor. 

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Wahljahr 2017: Alle Augen auf Frankreich

Die Niederlande haben gewählt – für Europa. Gleichzeitig haben sie dem Populismus eine Absage erteilt. Jetzt blickt die ganze Welt nach Frankreich und den dortigen Präsidentschaftswahlkampf. Beim ersten Fernsehduell konnte Emmanuel Macron bei den Franzosen punkten und lag mit Zustimmungswerten von 24% der Fernsehzuschauer vor François Fillon und Marine Le Pen, die jeweils rund 19% der Zuschauer auf ihrer Seite hatten.

Doch welches Ranking ergibt sich, wenn man – losgelöst von jeglicher politischen Komponente oder Wertung – einfach mal nur auf die wirtschaftliche Seite schaut? Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Kandidaten ihre Programme bei einem Wahlsieg zu 100% umsetzen. Geht man allerdings rein hypothetisch einfach einmal davon aus, kann man die wirtschaftlichen Konsequenzen aus den Wahlprogrammen ableiten.

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Das (hypothetische) Ergebnis gleicht dem des Fernsehduells durchaus. Beim Wirtschaftswachstum lägen die meisten der Kandidaten gleichauf: Sowohl Macron als auch Fillon oder Hamon würden bei voller Umsetzung ihrer Wahlversprechen bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5% in 2018 landen. Le Pen wäre hingegen mit einem voraussichtlichen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von lediglich 0,5% wirtschaftlicher Verlierer. 

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Wahljahr: Die Niederlande als europäisches Vorbild?

Die Niederlande haben am Mittwoch gewählt. Das Ergebnis war, wie Alt- und voraussichtlich auch Neu-Ministerpräsident Mark Rutte sagte, „ein Sieg für die Demokratie“. Damit haben meine Landsleute im Wahljahr in Europa ein Zeichen gesetzt – gerade nach dem Brexit-Votum und der Wahl von Trump zum US-Präsidenten.

Ein wesentlicher Faktor war auch die hohe Wahlbeteiligung. Spätestens nachdem viele Briten selbst das Referendum für einen Selbstläufer zu halten schienen, scheint Europa nun aufzuwachen. Die hohe Wahlbeteiligung und das Ergebnis könnten somit auch richtungsweisend werden für die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und im Herbst in Deutschland. Das Wahlergebnis in den Niederlanden ist jedenfalls für die Wirtschaft und den Handel eine gute Nachricht.

Dennoch glänzt nicht alles in königlichem Orange. Die anstehenden Koalitionsverhandlungen und Regierungsbildung in den Niederlanden könnten zäh werden und sich hinziehen. Dieser „Unsicherheitsfaktor“ könnte sich negativ auf das Wirtschaftswachstum der Holländer auswirken. 

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