Bumerang: Wenn der Schuldenberg zurückschlägt

Die Unternehmen drückt ihr Schuldenberg. Das „billige Geld“ ist wie ein Bumerang. Die niedrigen Zinsen locken. Seit Jahren bewegt sich die Verschuldung von börsennotierten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors auf Rekordniveau und steigt sogar noch weiter an. Für manche Unternehmen könnte das zum Verhängnis werden. Papier-, Transport- und Textilbranche bergen dabei nach unserer aktuellen Studie die größten Risiken, dass die Verschuldung zurückschlägt.

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Dank guter Umsätze und Gewinne ist 2017 die Nettoverschuldungsquote (Net Gearing Ratio) weltweit erstmals wieder gesunken. Sie fiel um 3,2 Prozentpunkte (pp) auf 53%. Rückenwind für die Bilanzen. Allerdings täuscht das kaum über die Tatsache hinweg, dass die Unternehmensverschuldung für Firmen in einigen Wirtschaftszweigen zum Mega-Risiko werden könnte. Insbesondere in Branchen, bei denen ein Strukturwandel großen Investitionsbedarf mit sich bringt. Aber auch regional sind Risiken ungleich verteilt. Die „Schuldenkönige“ sitzen in Portugal, der Türkei, Griechenland und Spanien, die allesamt auch nicht für die beste Zahlungsmoral bekannt sind. In der Türkei kommen zudem große Währungsrisiken hinzu.

Von Digitalisierung bis Protektionismus: einfach geht anders

Klimawandel und steigende Umweltanforderungen verursachen Kosten. Digitalisierung, veränderte Kundenbedürfnisse und Geschäftsmodelle oder schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen schrauben den Investitionsbedarf nach oben. Teilweise ist es aber auch der starke Wettbewerb, der Unternehmen und ihre Lieferanten vor große Herausforderungen stellt.

Je schwieriger die Bedingungen und je einschneidender der bevorstehende Wandel in einer Branche, desto größer ist häufig der Kapitalbedarf. Wenn die Umsatzentwicklung nicht Schritt halten kann, steigt die Verschuldung weiter an – und damit auch die Anfälligkeit für externe Schocks. Hinzu kommen Unsicherheiten wie neue Handelsbarrieren, die den Handel in bestimmten Branchen und Handelsrouten bereits beeinflussen. Und auch der Konjunkturzyklus neigt sich langsam dem Ende zu, was die Aussichten vielerorts etwas eintrübt.

Schwarz auf weiß: Papierbranche mit größtem Schuldenberg

Eng könnte es zum Beispiel für einige Unternehmen in der kapitalintensiven Papierbranche werden. Der Sektor hält den Negativrekord bei der Nettoverschuldungsquote. Die größten Player der Branche sind bei der Betrachtung von Risiken am aussagekräftigsten, da sie aufgrund ihrer Größe bei Ausfällen die größten Schäden verursachen würden. Die Verschuldungsquote in der Papierbranche liegt bei den Top 25% weltweit durchschnittlich bei 172%. Hinzu kommt ein schwacher Cash Flow. Unternehmen aus der Papierbranche bräuchten bei ihrer Verschuldung über 12 Jahre, um diese aus der laufenden operativen Tätigkeit zurückzuzahlen (Cash-Flow Koeffizient von 12,4).

Ein ähnliches Bild in der Textilbranche: Dort kämpfen Unternehmen mit einer Nettoverschuldungsquote von 144%. Der Cash-Flow ist ebenfalls schwach. Strukturelle Risiken sind zudem hoch, vor allem durch einen starken Wettbewerb, der auf die Margen drückt. Aber auch veränderte Kundenbedürfnisse spielen eine Rolle bei den signifikanten Risiken der Branche.

In den gefährlichen Abwärtssog könnte auch das eine oder andere Unternehmen in der Transportbranche geraten. Risiken und Verschuldung sind in diesem Segment bereits heute sehr hoch und die finanziellen Polster gering, insbesondere in der Schifffahrt. Durch höhere Umweltstandards steht in Zukunft eine erneute Welle der Schiffsmodernisierung und Flottenerneuerung an mit den verbundenen hohen Kosten – ein Teufelskreis.

Der Verschuldungs-Bumerang könnte in einigen Branchen also mit voller Wucht zurückkommen.

Bildrechte / Copyright Foto: Ruth Enyedi / Unsplash