Handelskrieg kostet Wirtschaftswachstum

Protektionismus ist – zumindest gefühlt – zuletzt wieder auf dem Vormarsch. Sogar von einem drohenden Handelskrieg ist die Rede. Dabei war der Trend in den letzten Jahren eigentlich rückläufig. 467 neue Handelsbarrieren gab es 2017. 2016 waren es noch 827 und in den beiden Jahren zuvor jeweils mehr als 1000.

Vor allem in den USA scheinen Handelsbarrieren aber wieder stark in Mode zu sein: China, Europa, Iran, Türkei, Russland. Sie hatten auch schon im letzten Jahr den zweifelhaften Sieg im „Protektionismus-Bingo“ errungen – und waren für ein Fünftel aller neuen Handelsbarrieren verantwortlich. Genau dort machen sie 2018 weiter. Bemerkenswert ist, dass die Hintergründe für die Maßnahmen oft auch eher politische als wirtschaftliche Interessen sind. Gemeinsam haben sie alle, dass sie kurzfristig implementiert wurden – und so bei Unternehmen für große Verunsicherung sorgen. Planbarkeit ade.

Zwar ist es nach unserer Einschätzung mit rund 55% etwas wahrscheinlicher, dass die wirtschaftliche Vernunft siegen wird. Das heißt, dass eine Einigung der USA mit den Europäern erzielt wird und auch der Konflikt mit China nicht weiter eskaliert. Ein sich zuspitzender Konflikt mit China oder gar ein drohender Handelskrieg hätten massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Zwischen zwei und sechs Prozentpunkten könnte das Wachstum des Welthandels dadurch einbüßen und das Wirtschaftswachstum auf allen Seiten trüben. Das sind erneut keine positiven Szenarien, bei denen das Unternehmerherz lacht.

Vorboten für eine Eintrübung gibt es übrigens schon: Durch die Sanktionsspirale hat die Handelsroute zwischen China und Nordamerika beispielsweise bereits an Wachstum eingebüßt. Seit Jahresbeginn hat sich das Wachstum dort im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozentpunkte abgeschwächt. Es wächst noch, aber eben deutlich langsamer.

Möge die Macht der Sojabohne mit ihm sein

Allerdings steht Trump zu Hause stark unter dem „Druck der Sojabohnen“. Die amerikanischen Landwirte ächzen unter den (wenig überraschenden) chinesischen Gegenmaßnahmen im Handelsstreit. Viele von ihnen gehören zur Wählerschaft Trumps. Eine Situation, die er sich angesichts der bevorstehenden Kongresswahlen im Wahljahr kaum leisten kann.

Also ist auch er gezwungen, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Zum Beispiel mit den Europäern. Handel ist eben keine Einbahnstraße und man benötigt Partner. Geben und nehmen. Zugeständnisse machen müssen somit wohl alle Parteien, denn einen Rückgang des Wirtschaftswachstums lässt kein Land kalt – gerade auch die Deutschen nicht. Nicht umsonst spiegelt sich eine Rückkehr der USA an den Verhandlungstisch mit Europa umgehend im hiesigen Geschäftsklima wider.

Ganz heimlich, still und leise…

Der Vollständigkeit halber übrigens noch eine interessante Randnotiz, die im protektionistischen Twitter-Lärm oft beinahe in Vergessenheit gerät: Deutschland belegt Platz vier in der Rangliste der Nationen, die zwischen 2014 und 2017 die meisten Maßnahmen ergriffen haben. In den letzten vier Jahren hat die Bundesrepublik einheimische Unternehmen mit insgesamt 185 Maßnahmen unterstützt.

Damit blieben sie zwar deutlich hinter den USA mit mehr als 400 neuen Handelsbarrieren zurück und ließen auch Indien (293) und Russland (247) den Vortritt. Aber still und leise, ganz ohne Twitter war auch Deutschland durchaus hier und da aktiv.

Fakt ist aber auch: Ohne gemeinsame Kraftanstrengung werden die Europäer beim protektionistischen Armdrücken mit Trump & Co. vermutlich den Kürzeren ziehen. Verlierer wären wie bei all diesen Maßnahmen wieder einmal die Unternehmen, allen voran die deutschen Autobauer, die das Duell aufmerksam und angespannt verfolgen dürften.

Mehr dazu übrigens auch in unserem Podcast zum Thema Protektionismus / Handelskrieg.

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