(Protektionismus-) Showdown in Buenos Aires

Der heute beginnende G20-Gipfel in Buenos Aires wird zu einer Art „Showdown“ zwischen den Machthabern der USA und China. Kommt es zum Handelskrieg oder nicht? Trump will dabei auf sein Bauchgefühl vertrauen und droht im Vorfeld mit Zöllen für deutsche Autobauer sowie auf alle chinesischen Importwaren, iPhone inklusive.

Das lässt zunächst wenig Gutes erahnen. Trotzdem erwarten wir letztendlich keine Eskalation zum Handelskrieg. Die „Protektionismus-Show“ geht allerdings auch 2019 weiter. Bis einschließlich September haben wir 2018 bereits knapp 300 neue protektionistische Maßnahmen gezählt. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl auf rund 400 neue Handelsbarrieren steigen. Das klingt nach viel. Ist es auch. Aber entgegen der vielfachen Annahmen bedeutet es auch, dass das Spektakel etwas an Dynamik verliert. 2017 waren es nämlich noch 560 neue Maßnahmen.

Bei einer Eskalation zum Handelsstreit (mit durchschnittlichen US-Zöllen über 6%) würde die Weltwirtschaft voraussichtlich 0,5pp an Wachstum einbüßen. Ein Handelskrieg (US-Zölle im Schnitt über 12%) würde ganze 2pp Wachstum beim weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) kosten.

Handelskrieg: Kuh noch nicht vom Eis, aber amerikanischer Pragmatismus könnte helfen

Die Kuh ist zwar noch lange nicht vom Eis, aber wir erwarten, dass es nicht zu einem Handelskrieg kommen wird. Warum? Die USA nutzen in der Vorrunde taktische Drohungen traditionell als Verhandlungsbasis. Das Handelsabkommen ist dann das Endspiel – das haben das umgestaltete NAFTA und das Handelsabkommen mit Südkorea schon gezeigt. Die Einigung verkauft Trump dann geschickt als Sieg, auf dem Weg dorthin macht allerdings auch er Zugeständnisse, nur eben weniger lautstark.

Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Repräsentantenhaus dürften die USA beim Thema Handel eine insgesamt konstruktivere und pragmatischere Haltung einnehmen. Trotzdem darf man gespannt sein auf seine Twitter-Meldungen vom und nach dem G-20-Gipfel.

Einigung könnte sich bis Ende 2019 hinziehen – Unsicherheiten für Exporteure bleiben groß

Dieser neue Pragmatismus ist ein wichtiger Baustein im bevorstehenden Drahtseilakt der Verhandlungen. Diese dürften sich jedoch vermutlich länger hinziehen als die Vorgänger. Sowohl China als auch Europa sind wesentlich größere Märkte, die weniger stark von den USA abhängig sind als Kanada, Mexiko oder Südkorea. Die Chinesen profitieren zudem von ihrem florierenden Sicherheits-Handelsnetz mit asiatischen Nachbarstaaten.

Allerdings ist inzwischen eine gewisse Protektionismus-Müdigkeit auf allen Seiten sichtbar – schließlich waren die bisherigen Maßnahmen allesamt kontraproduktiv, allen voran in den USA. Dennoch könnte sich eine Einigung durchaus bis Ende 2019 hinziehen.

Letztlich kommt es jetzt darauf an, wo die Verhandlungsparteien starten und wie weit sie auseinander liegen. Da dürfte der Showdown in Buenos Aires zumindest etwas Aufschluss geben…

Mehr zum Thema Protektionismus el übrigens in der aktuellen Euler Hermes Studie zum Welthandel „The show must go on“.

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