Unternehmensübernahmen: Dank Brexit auf Diät

Der Brexit erhitzt weiter die Gemüter. Das Drama spitzt sich zu. EU und britische Regierung verhandeln immer noch und der Zeitrahmen wird langsam eng. Darüber vergisst man fast, welche Kollateralschäden diese Unsicherheit schon seit dem Referendum 2016 hinterlassen hat – und das waren nicht nur Hamsterkäufe bei Unternehmen.

Unternehmensübernahmen beispielsweise sind seit 2016 massiv eingebrochen: Durchschnittlich gerade noch 42,4 Milliarden (Mrd.) Britische Pfund (GBP) wurden in Großbritannien seither für M&A Deals auf den Tisch gelegt – das sind ganze 60% weniger als vor dem Referendum. Besonders grenzüberschreitende Übernahmen sind drastisch gesunken.

Die anhaltende Unsicherheit im laufenden Jahr sowie steigende regulatorische Hürden haben zudem anstehende Übernahmen zum Erliegen gebracht. Diese haben sich fast verdoppelt auf 12 Mrd. GBP zum Ende des dritten Quartals.

Brexit: Die unendliche Geschichte zieht sich bis mindestens 2020

Wir gehen zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70% weiterhin davon aus, dass sich Großbritannien und die EU noch einigen werden. Das Ganze wird allerdings ein „Blind Date“ für Unternehmen. Durch die erwartete Einigung in letzter Sekunde bis Januar 2019 hängen sie auch danach weiterhin in der Luft, weil die genauen Regeln nach einer Einigung auch erst einmal noch ausgearbeitet werden müssten. Und das dauert. Der Brexit ist längst eine unendliche Geschichte.

Zwar wird diese „Last Minute“ Einigung den Weg für eine Übergangsphase ebnen bis Ende 2020, in der alles beim Alten bleibt. Auch das Wachstum wird dann mit 1,2% für 2019 nach 1,3% in 2018 recht stabil bleiben. Nur was nutzt das, wenn keiner weiß, wie es danach weiter geht?

Unsicherheit klebt wie Kaugummi an der Schuhsohle

Bis Mitte 2020 wird die Unsicherheit ständiger Begleiter der britischen Unternehmen und europäischen Exporteure bleiben. Sie klebt wie Kaugummi an deren Schuhsohle. Da ist es kaum verwunderlich, dass Unternehmensübernahmen nicht auf der Agenda stehen – oder aber, dass sie wie aktuell mittendrin zum Erliegen kommen.

M&A Deals und Investitionen bleiben also weiterhin auf der Auswechselbank und beobachten den Elfmeter-Krimi, der aktuell auf dem politischen Spielfeld tobt.

Derzeit hat sogar der “ Underdog“ noch Chancen. Das Team „No Deal“ hat immerhin 25% Chancen, einen unrühmlichen Kantersieg auf Kosten aller Beteiligten davonzutragen. Team „Blind Date“ ist daher der Publikumsliebling. Schade nur, dass auch nach dem Sieg erst einmal noch nicht viel gewonnen ist. Bis zum Finale 2020 müssen noch viele schwierige Etappensiege her.

Ein endloses Brexit-Turnier…