Corona kostet den Welthandel jede Woche mindestens 26 Milliarden US-Dollar

Das Coronavirus ist längst kein chinesisches Problem mehr, sondern ein weltweites. Es betrifft jeden einzelnen Menschen, Unternehmen und deren Geschäft – und letztlich auch die Weltwirtschaft und den Welthandel. Gesundheit und Sicherheit gehören zu den Grundbedürfnissen der Menschen, insofern sind die individuellen Auswirkungen wesentlich schwerer greif- oder messbar als die möglichen Folgen für Weltwirtschaft und Welthandel.

Der Welthandel schwächelte bereits im vergangenen Jahr. Schon vor Corona waren die Aussichten also nicht gerade rosig. Jetzt erhalten sie einen weiteren Dämpfer. Wie stark dieser am Ende ausfällt, hängt nun maßgeblich davon ab, wie lange das Coronavirus die globale Wirtschaft tatsächlich lähmt.

Jede Woche kostet das Virus – beziehungsweise die Betriebsunterbrechungen und der eingeschränkte Handel in China durch das Virus – mindestens 26 Milliarden US-Dollar: So hoch sind die potenziellen Verluste bei den Exporten von Waren und Dienstleistungen nach China. Das sind keine „Peanuts“.

Keine Peanuts: wirtschaftliche Auswirkungen von Corona erheblich

Vergleicht man dies mit Auswirkungen von Zöllen, wird das deutlich: Der Verlust entspricht umgerechnet einer deutlichen Erhöhung des Welt-Importzolls auf Waren – um etwa so viel wie durch den Handelskonflikt im vergangenen Jahr (0,7 Prozentpunkte).

Die 26 Milliarden sind zudem der untere Rand der Schätzung, denn wir rechnen noch mit einer zweiten Runde mit Negativeffekten. So sind die Folgen auf Unternehmen außerhalb Chinas noch nicht eingerechnet, die zum Beispiel wegen ausbleibender Zulieferungen aus China ihre Produktionen drosseln oder einstellen müssen oder die wie Italien ebenfalls mit Betriebsunterbrechungen zu kämpfen haben. In Italien werden die Verluste beispielsweise auf rund 3 Milliarden Euro pro Woche geschätzt. Betroffen sind hier sowohl Warenlieferungen als auch Tourismus und Transport.

Für den Welthandel bedeutet das nochmals herbe Einbußen, das Wachstum dürfte 2020 einen neuen Tiefststand erreichen. Hongkong, die USA, Japan, Südkorea, Italien, Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland sind am stärksten betroffen von diesem Rückgang – und der deutsche Wirtschaftsmotor stotterte zuletzt ja bereits merklich. Zudem werden die weltweiten Insolvenzen mit mindestens +7,5% vermutlich noch stärker ansteigen als bisher angenommen.

Hinzu kommen die Risiken von unterbrochenen Lieferketten, einer geringeren weltweiten Nachfrage und sinkenden Preisen (und damit Umsätzen). Dies wiederum könnte die sowieso schon überdurchschnittlich hohen Lagerbestände in Sektoren wie Textilien, Maschinen und Transportausrüstung sowie Rohstoffe weiter ansteigen lassen. In Branchen mit aktuell unterdurchschnittlichen Lagerbeständen (zum Beispiel Elektronik oder Computer) stellt hingegen die Warenknappheit inzwischen ein Risiko dar.

Kein Grund zur Panik trotz kurzfristiger Einbußen

Trotzdem ist das kein Grund zur Panik. Corona wird sich definitiv kurzfristig auf Weltwirtschaft und Welthandel auswirken. Trotzdem dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen global gesehen begrenzt bleiben – wenn sich der Angstfaktor nicht plötzlich verselbständigt und zu einem weit verbreiteten Panikmodus führt. Voraussetzung ist auch, dass die Geschäftsunterbrechung in China nicht länger als einen Monat andauert und sich die Geschäftstätigkeit nach drei Monaten wieder normalisiert. Davon gehen wir aktuell aus. Allerdings ist die Weltwirtschaft wohl nicht stark genug, um diesen Verlust im weiteren Jahresverlauf vollständig aufzuholen.

Für das Gesamtjahr erwarten wir durch das Coronavirus aktuell „nur“ zu einem Verlust von 0,2 Prozentpunkten an Wachstum für die Weltwirtschaft. Diese dürfte 2020 insgesamt um 2,2% zulegen im Vergleich zum Vorjahr.

Es gibt zwar durchaus „Downside“-Risiken – aber diese wären maßgeblich von Panikreaktionen getrieben. Bei langanhaltenden Geschäftsunterbrechungen auf der ganzen Welt würde die Wirtschaft tatsächlich massiv einbrechen und der Welthandel schrumpfen. Insolvenzen würden dann im schlimmsten Fall im zweistelligen Prozentbereich ansteigen.

Aber: Davon gehen wir nicht aus. Insofern ist das aktuell wahrscheinlichste Szenario zwar wahrlich kein Grund zum Jubeln – aber auch nicht der Weltuntergang.

Wichtig ist neben all den „nüchternen“ wirtschaftlichen Auswirkungen aber vor allem die Gesundheit. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!