All posts by Ron van het Hof

Fake President: Wie Betrüger den Verstand ausknipsen

Immer wieder schaue ich in völlig verblüffte Gesichter, wenn ich über Schadensfälle spreche, die durch die Betrugsmasche „Fake President“ entstanden sind. Diese Masche hat viele Namen und viele Gesichter: CEO Fraud, Enkeltrick bei Unternehmen, falscher Chef. Ihrem Gesichtsausdruck nach sind sich meine Gegenüber sind sich oft nicht sicher, ob ich sie vielleicht veräppeln will oder total übertreibe. Nicht selten kommt die Frage: „Wie kann jemand nur so blöd sein?“ oder „Das ist aber nicht wirklich passiert, oder?“ Doch, ist es.

Fake President oder CEO Fraud ist eine Betrugsform, bei dem ein falscher Chef einen Mitarbeiter anweist, beispielsweise für eine angeblich geheime Unternehmensübernahme in China, Ungarn, Russland oder ähnliches, Gelder zu überweisen. Natürlich ist alles streng vertraulich, deshalb darf der Mitarbeiter auch auf keinen Fall jemanden im Unternehmen über diesen Vorgang informieren.

Aber wie funktioniert das denn? Wer macht sowas denn wirklich und warum schaffen es die Betrüger eigentlich, dass der gesunde Menschenverstand komplett versagt, wie wenn man eine Lampe einfach ausknipst? Die Lösung heißt „Social Enineering“. Diese Kunst beherrschen die Betrüger sehr gut.

Read more Fake President: Wie Betrüger den Verstand ausknipsen

Brexit: Rückschritt mit Rücktritt

Brexit reloaded. Jetzt geht sie also doch. Am heutigen Freitag wird Theresa May als Premierministerin offiziell zurücktreten. Zwar bleibt sie noch als eine Art „Hausmeisterin“, bis ein neuer Premier offiziell ernannt ist, in ihrem Büro, aber sie macht Schluss. Schluss machen wollte sie auch mit der Europäischen Union – doch die Scheidung war zäher als gedacht. Nun also ein Rosenkrieg. Zunächst die Frage: Wer wird die oder der Neue?

Am 22. Juli soll er oder sie feststehen. Bis dahin wollen die Konservativen über die elf Kandidaten abstimmen, die ihren Führungsanspruch angemeldet haben (was sie übrigens noch bis zum 10. Juni tun können). Der ganze Prozess ist eine Art „Reise nach Jerusalem“, bei dem das Feld der Kandidaten sukzessive von elf auf zwei reduziert wird. Die erste Abstimmung ist für den 13. Juni geplant, weitere am 18., 19. und 20. Juni.

Wer macht das Rennen?

Viele der Kandidaten verpflichten sich zu einem neuen Brexit-Vertrag an der irischen Grenze. Als die Kandidaten mit den wohl besten Chancen gelten Brexit-Hardliner Boris Johnson, Brexit-Minister Dominik Raab und der britische Außenminister Jeremy Hunt. Und wer will was? Sowohl Johnson als auch Raab haben bereits angekündigt, dass sie die EU auch ohne ein Abkommen verlassen würden, obwohl dies nicht das Hauptziel sei.

Read more Brexit: Rückschritt mit Rücktritt

Europawahl: Ich gehe wählen – für Europa #yesivote

Am Sonntag ist Europawahl in Deutschland. Dann zählt es. Jede einzelne Stimme. Ich habe als Niederländer gestern schon gewählt – und zwar nicht wahllos, sondern für Europa.

Gründe gibt es dafür viele. Ein paar seht ihr hier in meinem Video #yesivote. Europa ist ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich bin ein echter Europäer und sehr stolz darauf. Ich bin Holländer, habe in den Niederlanden und in Frankreich gearbeitet, bin jetzt wieder Deutschland und arbeite global mit Menschen aus vielen Nationen zusammen.

Wir alle sind multinational und mobil, ohne Grenzen. Genau wie Unternehmen. Unternehmen haben keinen Reisepass. Sie sind international und dort zu Hause, wo sie Geschäfte machen. Europa hat so viel zu bieten, für Unternehmen, für Menschen, für mich persönlich.

Als Deutschland-Chef des größten Kreditversicherers denke ich dabei zuerst an die Wirtschaft und die Unternehmen.

Read more Europawahl: Ich gehe wählen – für Europa #yesivote

Handelskonflikt: Das Gift der Unsicherheit

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China schwelt weiter und eine Einigung ist weiterhin alles andere als ein Selbstläufer. Aktuell mehr denn je. Denn US-Präsident Trump droht (mal wieder) mit Strafzöllen. Die Verhandlungen gehen dem Präsidenten offenbar nicht schnell genug voran – oder die Zugeständnisse reichen ihm nicht aus. Ob sich die Chinesen von den Trump’schen Drohungen allerdings beeindrucken lassen werden, ist unklar.

Klar ist aber, dass jeder weitere Monat die Wirtschaft Geld und Wachstum kostet. Dabei sind die Strafzölle nicht einmal das größte Problem. 2018 haben die bereits eingeführten Zölle den Welthandel rund 0,3 Prozentpunkte (pp) an Wachstum gekostet haben – die Unsicherheit jedoch mit 0,5pp wesentlich mehr. Insgesamt ist das Wachstum des Welthandels im vergangenen Jahr auf 3,8% deutlich geschrumpft (von 5,2% im Vorjahr).

Countdown: Alle 2 Monate verliert der Welthandel an Fahrt

Ein Ende ist auch 2019 nicht abzusehen. Es ist wie eine Art Countdown: Die Uhr zählt allerdings nicht die Zeit herunter bis zu einem großen Event, sondern das Wachstum bei Welthandel und Weltwirtschaft. Man kann es auch 2019 regelrecht schwinden sehen: Jede weiteren zwei Monate der Unsicherheit im Handelskonflikt zwischen den USA und China kosten den Welthandel etwa 0,1pp an Wachstum. Bei der Weltwirtschaft sind es etwa 0,1pp alle vier Monate.

Exportnationen wie Deutschland sind von dieser Entwicklung besonders stark betroffen, denn ihre Exportrisiken steigen erheblich: Weniger Wachstum bei gleichzeitig steigenden Kreditrisiken und Insolvenzen sind ein ungünstiger Risiko-Cocktail.

Read more Handelskonflikt: Das Gift der Unsicherheit

It’s the final (Brexit) countdown

OK, ob es wirklich der finale Brexit-Countdown ist, wage ich langsam zu bezweifeln. Aber es geht – mal wieder – ums Ganze. Same procedure as every week. Wenn’s hart auf hart kommt, dann ist bald Schluss mit der Europäischen Union (EU) auf der britischen Insel – und das, obwohl das britische Unterhaus letzte Woche sogar ein Gesetz verabschiedet hat, dass einen „No Deal“ verbietet. Nur gehören ja immer zwei Seiten dazu.

Jetzt ist erst einmal die EU am Zug: Auf dem 13. Brexit-Sondergipfel stimmen die EU-Staaten heute über eine weitere Verlängerung der Frist für den Austritt Großbritanniens ab. Diese haben zwar weitestgehend ihre Zustimmung signalisiert, aber „amused“ ist keiner über den Chaos-Zustand im britischen Parlament. Wie die Verlängerung am Ende sein wird, ist aktuell noch unklar. Theresa May würde gerne nur bis zum 30. Juni verlängern, einige EU-Staaten wohl eher für ein ganzes Jahr, Frankreich ist dies wiederum zu lang. Kommt es zu keiner Einigung, treten die Briten ohne Handelsabkommen aus. Die Chancen liegen nach Euler Hermes Prognosen seit geraumer Zeit bei rund 25% – bei den Buchmachern inzwischen übrigens auch.

Was wäre wenn? Der Worst Case

Und dann? Wer sind die Leidtragenden? Zu allererst die Briten selbst. Exporte in Höhe von rund 30 Milliarden (Mrd.) Britischen Pfund (GBP) wären für sie in Gefahr bei einem ungeordneten Austritt. Das entspricht 8% aller britischen Warenausfuhren. Dies hätte direkten Einfluss auf die Umsätze der Unternehmen im Vereinigten Königreich, würde eine weitere erhebliche Kapitalflucht nach sich ziehen und die Wirtschaft in eine Rezession stürzen. Schon durch die anhaltende große Unsicherheit über den Ausgang hat die Wirtschaft sehr deutlich eingebüßt. Die Folgen wären bei einem ungeordneten Ausstieg jedoch langfristig. 

Read more It’s the final (Brexit) countdown

Brexit me – later! Der Schwebezustand bleibt

Ab in die Brexit-Verlängerung. Neues Spiel, neues Glück? Wohl eher nicht, zumal man von „Glück“ im Zusammenhang mit dem Brexit schon lange nicht mehr sprechen kann. Die Pleitewelle hat das Vereinte Königreich längst erreicht und ein Ende ist nicht abzusehen. Ein Ende der Brexit-Zeitschleife allerdings auch (noch) nicht, denn am vergangenen Donnerstag hat das britische Parlament – wie erwartet – für eine Verlängerung von Artikel 50 gestimmt. Verschoben ist aber nicht aufgehoben.

Für wie lange der Schwebezustand noch bleiben soll, ist indes weiterhin völlig unklar. Das sind vor allem für Unternehmen und Investoren abermals keine guten Nachrichten.

Unsicherheit gesichert: Schwebezustand bleibt

Die Verlängerung soll bis 30. Juni sein – falls der bereits zwei Mal abgelehnte Brexit Deal, den Premierministerin Theresa May mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelt hat bis zum 20. März doch noch eine Mehrheit findet. Falls. Denn nach einer solchen Mehrheit sieht es aktuell nicht aus. Dennoch will May am morgigen Dienstag (19. März) erneut darüber abstimmen lassen.

Falls der Deal wie vermutet erneut „durchfällt“ im Parlament, soll die Verlängerung von Artikel „länger“ sein. Aktuell wird vermutet, dass es eine Verlängerung um ein Jahr geben könnte – was bedeutet, dass die Unsicherheiten bis 2020 gesichert und Wirtschaft und Unternehmen weiterhin mit hohen Risiken konfrontiert wären. Ein Albtraum auf repeat.

Read more Brexit me – later! Der Schwebezustand bleibt

Großbritannien & der Brexit: Die Pleitewelle ist längst da

Und täglich grüßt das Brexit-Murmeltier. Das Land steckt tief in einer selbstgemachten Dauerkrise. Gestern gab es für Theresa May im britischen Unterhaus erneut eine Niederlage. Ihr mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelter und in letzter Sekunde nachgebesserter Deal fiel durch. Nicht ganz so klar wie beim ersten Mal war die Niederlage – aber es war dennoch deutlich. Kein Wunder, schließlich hat sie in ihren eigenen Reihen Gegner, denen der Deal nicht weich genug ist oder die schlicht einen „No Deal“ bevorzugen würden. Um den geht es in der heutigen Abstimmung.

Es sieht weiterhin nach einer Absage an den ungeordneten Austritt aus. Schließlich hofft die Opposition auf ein zweites Referendum und wird allein deshalb eine Verlängerung bevorzugen. Auch bei den Tories gibt es eine Mehrheit gegen einen „Hard Brexit“. Morgen geht es dann im Parlament vermutlich um die Verlängerung. Wie erwartet sind wir also weiterhin in der Brexit-Zeitschleife gefangen. Dazu hatte ich ja bereits gebloggt – und auch, dass ein zweites Referendum oder ein Verbleib in der EU längst kein Selbstläufer ist.

Viel schlimmer als das anhaltende Brexit-Drama, auf das die ganze Welt schaut, sind allerdings die Folgen der seit 2016 anhaltenden Unsicherheiten. Was vielen erst auf den zweiten Blick auffällt: Für die britischen Unternehmen und die Wirtschaft ist es inzwischen fast nur noch sekundär, wie es ausgeht. Denn sie sind längst drin: in der selbst verursachten britischen Wirtschaftskrise. Ihnen steht das Wasser teilweise bis zum Hals. Ein Ende ist zeitnah nicht abzusehen – ganz egal wie es weiter geht.

Read more Großbritannien & der Brexit: Die Pleitewelle ist längst da

Brexit: Viel Lärm um nichts?

Was soll man zum Brexit noch sagen? Wir sind gefangen in einer geradezu absurden Zeitschleife: Boyz II Men auf „repeat“ mit „It’s so hard to say goodbye to yesterday“. Das würde mir allerdings auch schwer fallen, wenn inzwischen fest steht, dass alle Optionen für Großbritannien wirtschaftlich schlechter sind als die „guten alten Tage“ in der Europäischen Union (EU). Die EU hat viel zu bieten – alleine wird es deutlich schwerer. Deshalb jetzt zurück auf los und am Ende außer Spesen nichts gewesen?

Wir gehen weiterhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 75% von einem „guten Ende“ aus. Das reicht vom Verbleib in der EU über einen weicheren Brexit, doch noch ein (modifiziertes) Handelsabkommen bis hin zur Verlängerung. Und auf Letzteres deutet erst einmal alles hin: eine „Last-Minute-Einigung“ in Form einer Verlängerung von Artikel 50 hin.

Ab nach Samoa: Europa für den Freihandel

Die Europäische Union hat Unternehmen viel zu bieten: Unter anderem inzwischen 40 Freihandelsabkommen mit insgesamt 72 Ländern. Zuletzt kamen Samoa und die Komoren hinzu.  Weitere 20 Abkommen sind in Verhandlung. Dies würde einen Exportgewinn von über 40 Milliarden Euro für die Region bedeuten und das reale Wachstum beim Bruttoninlandsprodukt in der gesamten Eurozone jedes Jahr deutlich steigern.

Der Freihandel ist ein wichtiger Motor unserer Wirtschaft, in ganz Europa, insbesondere aber auch in Deutschland. Protektionismus und Handelsbarrieren hingegen kennen keine Gewinner. Ein Freihandels-Europa ist daher für mich ebenso wie für unsere Wirtschaft wichtig – vor allem in einer Zeit, in der der Multilateralismus in Frage gestellt wird.

Ja zu Europa, zu Freihandel und Digitalisierung

Ich persönlich bin ein echter Europäer – und sehr stolz darauf. Wir alle haben großes Glück, Europäer zu sein. In Europa profitieren wir von unserer kulturellen Vielfalt und den gemeinsamen Werten. Wir haben eine unglaubliche Fülle von Möglichkeiten und können frei wählen. Ich bin Niederländer, aber während meiner Karriere habe ich nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Frankreich gearbeitet und jetzt wieder in Deutschland. Ich arbeite mit Menschen aus ganz Europa und sogar aus der ganzen Welt zusammen. Wir sind mobil und innerhalb Europas auch ohne Grenzen.

Read more Ab nach Samoa: Europa für den Freihandel

Schwarze Null: Deutsche Wirtschaft fährt mit Handbremse

Die schwarze Null steht. Gemeint ist dabei aber nicht etwa der deutsche Staatshaushalt, sondern die deutsche Wirtschaft. Sie bekommt den sich abschwächenden Konjunkturzyklus langsam aber sicher zu spüren. Einige Volkswirte sprachen sogar schon von einer möglichen Rezession in Deutschland. So „schwarzmalen“ würde ich allerdings nicht.  Die „schwarze Null“ ist für die erfolgsverwöhnte heimische Wirtschaft dennoch keine sonderlich gute Nachricht.

Als Deutschlandchef eines Kreditversicherers wird mir zwar manchmal unterstellt, dass ich vermutlich „Berufspessimist“ sei, weil wir tagtäglich alle wirtschaftlichen, politischen oder geopolitischen Risiken analysieren und Wahrscheinlichkeiten für mögliche Szenarien festlegen. Tatsächlich bin ich aber sogar Optimist, weil hinter all den Risiken vor allem viele Chancen liegen – aber dazu später mehr. Bei unseren Prognosen bin ich aber vor allem Realist: Denn sie sind die Basis, auf der wir Versicherungsschutz bieten und mit unserem Geld „geradestehen“.

Ausgebremst: die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle

Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft tritt aktuell auf der Stelle. Das zeigen die jüngsten Zahlen. Nach dem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal legte das reale Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2018 saisonbereinigt minimal um 0,02% gegenüber dem Vorquartal zu.

Mit einem Abgleiten in eine Rezession rechnen wir aber nach wie vor nicht. Allerdings dürfte insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2019 die Konjunkturdynamik niedriger ausfallen als wir das bislang erwartet haben. Der Konjunkturausblick ist derzeit mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet.

Die größten Unsicherheiten sehen wir – abgesehen von politischen Risiken wie dem Brexit oder Italien – im Außenhandel, dem Automobilsektor und der Investitionsnachfrage. Aber – ich sagte es ja – es gibt auch immer Chancen hinter den Risiken. Und so gibt es auch Faktoren, die uns nach wie vor recht zuversichtlich für das Jahr 2019 stimmen.

Read more Schwarze Null: Deutsche Wirtschaft fährt mit Handbremse