Schwarze Null: Deutsche Wirtschaft fährt mit Handbremse

Die schwarze Null steht. Gemeint ist dabei aber nicht etwa der deutsche Staatshaushalt, sondern die deutsche Wirtschaft. Sie bekommt den sich abschwächenden Konjunkturzyklus langsam aber sicher zu spüren. Einige Volkswirte sprachen sogar schon von einer möglichen Rezession in Deutschland. So „schwarzmalen“ würde ich allerdings nicht.  Die „schwarze Null“ ist für die erfolgsverwöhnte heimische Wirtschaft dennoch keine sonderlich gute Nachricht.

Als Deutschlandchef eines Kreditversicherers wird mir zwar manchmal unterstellt, dass ich vermutlich „Berufspessimist“ sei, weil wir tagtäglich alle wirtschaftlichen, politischen oder geopolitischen Risiken analysieren und Wahrscheinlichkeiten für mögliche Szenarien festlegen. Tatsächlich bin ich aber sogar Optimist, weil hinter all den Risiken vor allem viele Chancen liegen – aber dazu später mehr. Bei unseren Prognosen bin ich aber vor allem Realist: Denn sie sind die Basis, auf der wir Versicherungsschutz bieten und mit unserem Geld „geradestehen“.

Ausgebremst: die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle

Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft tritt aktuell auf der Stelle. Das zeigen die jüngsten Zahlen. Nach dem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal legte das reale Bruttoinlandsprodukt im Schlussquartal 2018 saisonbereinigt minimal um 0,02% gegenüber dem Vorquartal zu.

Mit einem Abgleiten in eine Rezession rechnen wir aber nach wie vor nicht. Allerdings dürfte insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2019 die Konjunkturdynamik niedriger ausfallen als wir das bislang erwartet haben. Der Konjunkturausblick ist derzeit mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet.

Die größten Unsicherheiten sehen wir – abgesehen von politischen Risiken wie dem Brexit oder Italien – im Außenhandel, dem Automobilsektor und der Investitionsnachfrage. Aber – ich sagte es ja – es gibt auch immer Chancen hinter den Risiken. Und so gibt es auch Faktoren, die uns nach wie vor recht zuversichtlich für das Jahr 2019 stimmen.

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Brexit: Warum der „No Deal“ aktuell nicht wahrscheinlich ist

Der Geist des „No Deal“ Brexit geistert nach den weiteren spektakulären Akten des Shakespeare’schen Drama, das sich die letzten Tage in London abspielte, in fast allen Köpfen. Die Folgen eines solchen ungeordneten Austritts wären in der Tat fatal – für alle Seiten, politisch und vor allem auch wirtschaftlich. Trotzdem ist der „No Deal“ weiterhin nicht die wahrscheinlichste Option.

A propos Optionen – es bleiben immer noch vier verschiedene mögliche Szenarien für Großbritannien. Auch das hat sich nach Ablehnung des Deals durch das britische Parlament und dem Misstrauensvotum nicht geändert: eine Last-Minute-Einigung (wahrscheinlich), eine Verlängerung von Artikel 50 (mittlere Wahrscheinlichkeit), ein „Bremain“ durch einseitigen Widerruf von Artikel 50 seitens Großbritanniens (unwahrscheinlich) und ein „No Deal“ Brexit (auch eher unwahrscheinlich). Aber was bedeuten diese Szenarien nun konkret?

Option 1: Der Geist des „No Deal“ geht um

Kommen wir zurück zum „No Deal“. Der harte Brexit ist weiterhin möglich. Kurzfristig ist er aber eher unwahrscheinlich, da die Möglichkeit besteht, Artikel 50 zu verlängern. Zudem gibt es eine Mehrheit im Parlament, die einen Austritt mit einem Handelsabkommen befürwortet.

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Brexit Day in London: 4 Optionen für Großbritannien

Das Insel-Spektakel geht heute Abend in die nächste Runde. Theresa Mays Karten für eine Zustimmung stehen nicht besonders gut – eine Ablehnung des mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelten Deals ist relativ wahrscheinlich. Und dann? Dann geht es wieder in die Verlängerung. Eine unendliche Geschichte.

Was den Briten dann noch bleibt, sind 4 Optionen: eine Last-Minute-Einigung (wahrscheinlich), eine Verlängerung von Artikel 50 (mittlere Wahrscheinlichkeit), ein „Bremain“ durch einseitigen Widerruf von Artikel 50 seitens Großbritanniens (unwahrscheinlich) und ein „No Deal“ Brexit (auch eher unwahrscheinlich).

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Vorsicht, Zombies! Auch in Deutschland…

Bei „Zombie“ Unternehmen denkt man aktuell fast automatisch an China. Dort haben die Staats- und teilweise auch Regionalregierungen Unternehmen jahrelang mit Krediten fast zum Nulltarif künstlich am Leben erhalten.

Seit einigen Jahren allerdings hat sich der Fokus der chinesischen Regierung verschoben. Sie hat sich einen gezielten Strukturwandel zum Ziel gesetzt und will die Wertschöpfungskette hinaufklettern: weg vom billigen Produktionsland, hin zu einer vom Dienstleistungssektor geprägten Wirtschaft.

Das bedeutet: Viele Branchen, die in der Vergangenheit gefördert wurden, stehen nun nicht mehr im strategischen Fokus des Staats – und die Regierung hat keine Angst mehr, diese pleitegehen zu lassen. Das „Zombie-Sterben“ ist in China im vollen Gange.

Das zeigen die Pleitezahlen deutlich: Lag der Zuwachs bei den Insolvenzen 2016 noch bei 11%, waren es 2017 zusätzliche 74% und 2018 vermutlich nochmals 60% mehr.  Auch 2019 wird sich dieser Trend mit voraussichtlich etwa 20% mehr Pleiten weiter fortsetzen.

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Exportgewinner: Wer schafft es 2019 aufs Treppchen?

Wie wird 2019 für den Handel und welche Aussichten gibt es beim Export? Ich würde mal sagen „heiter bis wolkig“.

Das Ende des weltweiten Aufschwungs ist langsam in Sicht. Das wirkt sich auf den Welthandel aus. Dieser verliert im kommenden Jahr etwas an Fahrt und das Wachstum verlangsamt sich auf voraussichtlich 3,6% (2018: 3,8%). Vorausgesetzt natürlich, dass es zu keiner Eskalation im Handelsstreit kommt. Dies würde zwischen 0,5 und 2 Prozentpunkte (pp) an Wachstum kosten.

Vom Kuchen bekommen allerdings nicht alle gleichermaßen etwas ab. Wer gehört zu den Gewinnern? Wir haben die Top 10 der Exportgewinner prämiert. Zudem spielen natürlich die Top 10 der Märkte, die für Exporteure besonders attraktiv sind, eine Rolle: Sie haben im kommenden Jahr eine besonders hohe zusätzliche Nachfrage an Importen.

Die Deutschen galten lange als Exportweltmeister – und wenig überraschend werden sie ihre Stärken auch 2019 ausspielen.

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Insolvenzen: Wenn’s knallt, dann richtig

Bei den Unternehmensinsolvenzen ist Deutschland wie das kleine gallische Dorf aus Asterix und Obelix, das sich dem Rest der Welt widersetzt. Der Zaubertrank ist die boomende deutsche Wirtschaft. Gegen den weltweiten Trend sinken in der Bundesrepublik die Insolvenzen auch 2018 nochmals um etwa 4%. Doch: Das ist trotz der guten Nachricht kein Grund zur Entwarnung.

Die Schäden für Unternehmen durch Insolvenzen [1] in den letzten Jahren sind nämlich deutlich gestiegen: von insgesamt 17 Milliarden (Mrd.) Euro (EUR) in 2015 auf 30 Mrd. EUR in 2017. Die durchschnittlichen erwarteten Schäden haben sich von 700.000 EUR in 2015 auf 1,5 Millionen (Mio.) EUR in 2017 sogar mehr als verdoppelt.

Dieser Trend setzt sich auch 2018 fort: In den zwölf Monaten bis Ende August 2018 stieg das Durchschnittsvolumen der voraussichtlichen Forderungen von Unternehmen um über 30% an im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das bedeutet: Wenn’s knallt, dann richtig. 

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(Protektionismus-) Showdown in Buenos Aires

Der heute beginnende G20-Gipfel in Buenos Aires wird zu einer Art „Showdown“ zwischen den Machthabern der USA und China. Kommt es zum Handelskrieg oder nicht? Trump will dabei auf sein Bauchgefühl vertrauen und droht im Vorfeld mit Zöllen für deutsche Autobauer sowie auf alle chinesischen Importwaren, iPhone inklusive.

Das lässt zunächst wenig Gutes erahnen. Trotzdem erwarten wir letztendlich keine Eskalation zum Handelskrieg. Die „Protektionismus-Show“ geht allerdings auch 2019 weiter. Bis einschließlich September haben wir 2018 bereits knapp 300 neue protektionistische Maßnahmen gezählt. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl auf rund 400 neue Handelsbarrieren steigen.

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Appgehängt? Ohne gute App wird’s schwer im Einzelhandel

Am heutigen „Black Friday“ in den USA werden rund ein Viertel der Schnäppchen übers Mobiltelefon „appgeschossen“. Da lohnt sich schon mal ein Blick auf die Apps beziehungsweise welche Aussagekraft diese haben können.

Die „mobile experience“ wird immer wichtiger. Eine durchdachte Multi-Channel-Strategie ist heute sowieso ein Muss im hart umkämpften Einzelhandel, in dem so manches Unternehmen auf der Kippe steht. Der hohe Margen- und Wettbewerbsdruck erlaubt allerdings nicht viele Fehler bei Investitionen.

Die App als (Miss-)Erfolgsfaktor

Eine App und ein Online-Auftritt kosten viel Geld. Das will also gut geplant und durchdacht sein – mit dem Kunden im Fokus, denn sonst geht der Schuss schnell nach hinten los. Günstige „B-Lösungen“ funktionieren so gut wie nie.

Das zeigt eine besondere Statistik ganz eindrucksvoll: Von 13 Großinsolvenzen im Einzelhandel in den USA 2018 hatten sieben Unternehmen den Zug verpasst und gar keine App im Angebot.

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Unternehmensübernahmen: Dank Brexit auf Diät

Der Brexit erhitzt weiter die Gemüter. Das Drama spitzt sich zu. EU und britische Regierung verhandeln immer noch und der Zeitrahmen wird langsam eng. Darüber vergisst man fast, welche Kollateralschäden diese Unsicherheit schon seit dem Referendum 2016 hinterlassen hat – und das waren nicht nur Hamsterkäufe bei Unternehmen.

Unternehmensübernahmen beispielsweise sind seit 2016 massiv eingebrochen: Durchschnittlich gerade noch 42,4 Milliarden (Mrd.) Britische Pfund (GBP) wurden in Großbritannien seither für M&A Deals auf den Tisch gelegt – das sind ganze 60% weniger als vor dem Referendum. Besonders grenzüberschreitende Übernahmen sind drastisch gesunken.

Die anhaltende Unsicherheit im laufenden Jahr sowie steigende regulatorische Hürden haben zudem anstehende Übernahmen zum Erliegen gebracht. Diese haben sich fast verdoppelt auf 12 Mrd. GBP zum Ende des dritten Quartals.

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Brexit voraus: Hamsterkäufe, Verunsicherung und Verkehrschaos

Die anhaltenden Brexit-Verhandlungen sorgen für große Unsicherheit. Bei Konsumenten, vor allem aber auch in der Wirtschaft und bei Unternehmen – sowohl in der EU als auch vor allem in Großbritannien selbst.

Es ist wie nach einer Sturmwarnung. Die Bewohner der betroffenen Region hasten in den Supermarkt und hamstern riesige Mengen an Lebensmitteln. Die betroffene Region ist Großbritannien, die Bewohner die dortigen Unternehmen und statt Lebensmittel horten die dortigen Unternehmen zunehmend Importwaren.

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