Insolvenzanfechtung: Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Die betroffenen Unternehmen stehen meist unter Schock, wenn der Brief ins Haus flattert: Der Insolvenzverwalter eines in die Pleite geschlitterten Abnehmers fordert sicher geglaubte Zahlungen zurück. Der Bundesligist Bayer Leverkusen war das bis dato vermutlich prominenteste Opfer: 2014 verklagte der Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax den Fußballverein auf die Rückzahlung von Sponsorengeldern in Höhe von 16 Millionen Euro plus Zinsen. Der Grund: Der Verein soll von der finanziellen Schieflage des später insolventen Stromanbieters gewusst haben.

Die Grundlage: Paragraph 133 der Insolvenzordnung. Dieser macht eine Rückforderung bereits geleisteter Zahlungen bis zu zehn Jahre rückwirkend möglich. Ziel ist es, diese in die Insolvenzmasse einfließen zu lassen. Damit soll die Benachteiligung einzelner Gläubiger verhindert werden. Doch was passiert mit Unternehmen, die plötzlich sicher geglaubte Zahlungen auf ihrer Habenseite wieder zurückzahlen sollen? Sie trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Im schlimmsten Fall ist sogar die Existenz in Gefahr. Ein wahrlich scharfes Schwert. 

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Brasilien: Hoffnung am Abgrund?

Vor einigen Jahren war Brasilien der Stern am Himmel der aufstrebenden Märkte. Dann kam das Drama – in mindestens fünf Akten. Aktuell ist vom einstigen Glanz wenig zu sehen. Das Land steht wirtschaftlich am Abgrund. Doch es gibt am Horizont auch einige Lichtblicke, die die Hoffnung schüren.

Brasilien steckt mitten in einer schweren Rezession. Die vier „Is“ machen dem Land weiterhin zu schaffen: ein Flaschenhals bei der Infrastruktur, fehlende Investitionen, eine weiterhin hohe Inflation und viele Insolvenzen. Die Samba-Nation nimmt 2016 einen wenig rühmlichen Spitzenplatz ein: beim Negativ-Ranking mit dem weltweit größten Zuwachs an Insolvenzen. 22% mehr Pleiten als im Vorjahr. Damit liegt die Samba-Nation beim Zuwachs sogar noch vor China.

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Die große Abhängigkeit von Rohstoffexporten und den damit verbundenen Preisschwankungen reihen sich in den Problem-Reigen ein. Hinzu kommen eine hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und damit eine rückläufige Kaufkraft. Das drückt auf den Binnenkonsum. Neben der schwierigen wirtschaftlichen Situation ist die hohe Staatsverschuldung ein beunruhigender Trend. Nicht umsonst haben große Ratingagenturen Brasilien inzwischen auf „Ramsch-Status“ herabgestuft.

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont zeigt sich jedoch: In den kommenden Monaten wird sich die Rezession weiter abschwächen. Voraussichtlich im ersten Quartal 2017 wird die Wirtschaft zu positivem Wachstum zurückkehren.

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Iran: Warum alle auf die Amerikaner warten

Deutsche Exporteure stehen in den Startlöchern, um nach Ende der Sanktionen endlich wieder Geschäfte mit dem Iran zu machen – ein interessanter Markt, insbesondere für Waren „made in Germany“. Auch Hermesbürgschaften sind wieder möglich. Seit Anfang des Jahres gibt es zwar zahlreiche Verhandlungen zwischen deutschen und iranischen Unternehmen, Geschäfte in größerem Umfang bisher jedoch (noch) nicht. Woran das liegt? An der fehlenden Finanzierung. Alle warten auf die Amerikaner, hier den ersten Schritt zu tun.

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Das kommt nicht von ungefähr. Der Geldverkehr mit dem Iran wurde von den USA bisher drastisch geahndet. Daran haben sich einige die Finger verbrannt. Kaum verwunderlich also, dass die Banken eine eher geringe Bereitschaft zeigen, Geschäfte mit dem Iran zu finanzieren. Auch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA im November lassen die bestehenden Unsicherheiten in Bezug auf den Handel mit dem Iran nicht gerade sinken.

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Fake President: Warum grobe Fahrlässigkeit kein Thema ist

Grobe Fahrlässigkeit spielt bei der Betrugsmasche „Fake President“ oder „falscher Chef“ keine Rolle. Warum? Diese Betrügereien sind alles Fälle, die sich ganz spontan und innerhalb weniger Tage ereignen. Zwischen dem Erstkontakt und der letzten Überweisung liegen meistens maximal drei Tage.

Ein Vorstand kann da kaum Maßnahmen ergreifen. Häufig sind zudem Tochtergesellschaften im Ausland im Visier der Betrüger. Man kann ja nicht täglich überall alles prüfen.

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Da hält selbst der beste interne Prozess zur Verhinderung von Betrug nicht Schritt. Zumal das durchdachte „Social Engineering“ der Betrüger regelmäßig die internen Prozesse wie das 4-Augen-System erfolgreich aushebelt.

Deshalb sind Fake President Fälle in der Vertrauensschadenversicherung gedeckt. Jedenfalls bei Euler Hermes. Grobe Fahrlässigkeit kann nach unserer Auffassung auf diese Masche nicht angewendet werden.

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TTIP = Freihandelsabkommen und Handelsbarriere zugleich

Im Licht der langen Verhandlungen über Ceta, erhitzt auch das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP mit den USA immer wieder die Gemüter. Zumindest in Deutschland. Lassen wir an dieser Stelle mal die emotionalen Debatten über Chlorhühnchen, Verbraucherschutz und Schiedsgerichte außen vor und betrachten das ganze kurz aus der Sicht des Welthandels.

Es ist ja alles ist immer eine Frage der Perspektive: Kopf oder Zahl. Protektionismus und Handelsbarrieren auf der einen Seite, der Freihandel auf der anderen.

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Auf der Prägung der gemeinsamen europäisch-amerikanische Seite der Medaille steht „Freihandel“. Wenn es umgesetzt würde, würde das TTIP Abkommen den größten Wirtschaftsraum schaffen mit 47% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Auf der Rückseite der gleichen Münze prangt jedoch „Protektionismus“, denn es wäre gleichzeitig die weltweit größte Handelsbarriere. 

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Trade Wars – Warum die Macht des Welthandels schwindet

Was haben der Welthandel und Star Wars gemeinsam? Eine ganze Menge, wie man in unserer aktuellen Studie „Trade Wars – The force weakens“ sehen kann. Der Welthandel schrumpft im Wert – seine Kraft schwindet also. Das verschärft den Wettbewerb, insbesondere beim Export. Sie kämpfen um ihre Galaxien. Mit Lichtschwerten – oder anderen Mitteln. Die einen spielen Protektionismus-Bingo, die anderen setzen auf Internationalisierungsstrategien mit Hilfe von Serviceorientierung und Digitalisierung.

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Doch wer hat nun den schnellsten Export-X-Flügler? Die Deutschen. Sie beherrschen die Kunst des Exports auch bei einem verlangsamten Welthandel meisterhaft. Sie gehören so zu den Jedi-Meistern, an denen sich alle messen. Neben den deutschen Exporteure sind erfreulicherweise auch viele andere europäische Nationen gut positioniert. China hingegen verliert an Boden.

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Weltwirtschaft zu schwach, um vor Pleiten zu schützen

Der Weltwirtschaft geht derzeit die Puste aus – sie wächst 2016 so langsam wie seit der Wirtschaftskrise nicht mehr. Auch im kommenden Jahr wird sie die 3-Prozent-Hürde nicht schaffen, dann zum siebten Mal in Folge. Das ist aber zu wenig an Wachstum, um mehr Pleiten von Unternehmen zu vermeiden.

Dem Welthandel ergeht es ähnlich: Er legt 2016 nur minimal zu, im Wert schrumpft er gar.

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Vor allem in den Schwellenländern steigen die Insolvenzen kräftig an, während sie in Westeuropa im Schnitt noch rückläufig sind. Aber weltweit zeichnet sich eine negative Trendwende ab: Das erste Mal seit 2009 steigen die Insolvenzen 2016 und 2017 wieder an. Die genauen Trends finden Sie übrigens hier in unserer aktuellen, interaktiven Insolvenz-Weltkarte

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Neue Betrugsmasche: Verstärkung für den falschen Chef

Die Evolution macht auch vor Betrügern nicht Halt. Wirtschaftskriminelle Straftaten werden immer ausgeklügelter. Damit steigt das Risiko, dass sie zumindest eine Weile unentdeckt bleiben und so lange erheblichen Schaden anrichten. „Fake President“, die Masche mit dem Identitätsdiebstahl und der E-Mail vom falschen Chef an die Buchhaltung mit der Aufforderung um Überweisungen, ist auch so ein Fall.

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Zuletzt haben namhafte Unternehmen in Deutschland und Österreich dadurch Schäden in Höhe von 40 oder 50 Millionen Euro erlitten. Nur selten lassen sich Gelder zurückholen wie in dem aktuellen Fall, den die Wirtschaftswoche schildert.

Prompt folgt auch schon die nächste Evolutionsstufe. Die falschen Chefs haben sich weiterentwickelt und variieren ihr Vorgehen. Der neuste Clou bei einem aktuellen Schadenfall: Fake President meets Fake IT. Der falsche Chef bekommt Verstärkung.

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Brexit: Die Ruhe vor dem (Insolvenz-)Sturm

Es ist (noch) die Ruhe vor dem Sturm. Im Mai sollen die Brexit-Verhandlungen starten. Auch wenn sich die Wirtschaft derzeit noch relativ gut hält, ziehen ab 2017 erste kräftige Böen auf. Wir gehen für die kommenden Jahre weiterhin von deutlichen Einbußen beim britischen Bruttoinlandsprodukt aus.

Zudem erwarten wir erstmals nach vier Jahren wieder steigenden Insolvenzen im Vereinten Königreich. Ganz unabhängig vom Brexit-Szenario. Nur: Je härter der Austritt, desto härter der Aufprall. Ob Theresa May wirklich den „Hard Brexit“ anstrebt?

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Ähnliches gilt im Übrigen auch weiterhin für die Währung. Ein Kollaps droht. 2018 wird das Pfund nach unseren Einschätzungen mit dem Euro gleichziehen. Auch wenn es die Waren im Ausland verbilligt, drückt dies gleichzeitig erheblich auf die Gewinne der Unternehmen. Die Finanzdecke wird dadurch nicht dicker.

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Möglicher „Hard Brexit“ schickt Pfund auf Talfahrt

Das britische Pfund ist auf Talfahrt angesichts der Ankündigung von Premierministerin Theresa May, dass sie im Mai die Brexit-Verhandlungen einleiten will. Dass es einen Brexit geben wird, ist nun ja nicht mehr neu. Insofern ist das auch für die Entwicklung der Währungskurse kein ausschlaggebender Treiber mehr. Was wirklich neu war, ist die Tatsache, dass May für einen „Hard Brexit“ zu votieren schien. Diese Aussage schickt das Pfund auf ein neues 31-Jahres-Tief gegenüber dem US-Dollar.

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Die britische Realwirtschaft schlägt sich indes weiterhin noch überraschend wacker, trotz der durch die Ankündigung sogar noch größeren Unsicherheiten. Der Produktionsindex legte zu – dank der pfundigen Talfahrt, denn britische Waren sind durch den Verfall der Währung im Ausland billiger. Das stärkt Nachfrage, Bestellungen und damit auch die Produktionsauslastung. Es dürfte allerdings nur die Ruhe vor dem Sturm sein.

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