Wirtschafts-Horoskop – das bringt 2017

Astrologen bezeichnen 2017 als das Jahr der Sonne – ein Jahr, das geprägt ist von Veränderungen. Das lässt sich hervorragend auf die Wirtschaft übertragen auf ein „Wirtschafts-Horoskop“. insofern ziehe ich heute diese Parallele, um die wichtigsten Wirtschafts-Trends aufzuzeigen.

Das bringt 2017. 8 Einflüsse werden in diesem Jahr besonders dominant wirken: schwacher Welthandel, China-Krise, Insolvenz-Trendwende, geopolitische Spannungen, Brexit, Neuwahlen, Geldpolitik und Protektionismus.

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Allgemeine Sternenkonstellation: wenig Impulse

Das Sternbild des Welthandels ist derzeit teilweise im Schatten der weltweiten Nachfragekrisen, der schwachen Weltwirtschaft und Währungskriege. Hinzu kommen Störfeuer durch stark gefallene Rohstoffpreise und die größere Fokussierung auf die nationalen Geschäfte.

Die Zunahme der protektionistischen Spannungen sowie der geopolitischen Einflüsse könnten zusätzliche Konflikte mit sich bringen.

Zudem ist der Einfluss des Wachstumsstern China derzeit geschwächt. Durch diese „China-Krise“ fehlen wichtige Impulse, um Weltwirtschaft und Welthandel zurück auf eine schnellere Umlaufbahn zu bringen. Auch andere Schwellenländer kreisen häufig um ihre eigenen Probleme rund um Rezession, steigende Insolvenzen und Kreditrisiken. 

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Italiens „Nein“ zum Referendum – und was jetzt?

„The show must go on“. Dieses „Nein“ ist kein Grund zur akuten Panik. Zumindest wird es weitaus weniger starke wirtschaftliche Auswirkungen haben als das Brexit-Referendum.

Dennoch sind es keine guten Nachrichten für italienische Unternehmen oder die italienische Wirtschaft. Letztere ist neben Bankenkrise, sowieso schon durch eine seit Jahren anhaltende Wachstumsschwäche, Überschuldung, geringe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, hohe Personalkosten und hohe Arbeitslosigkeit gebeutelt. Jetzt kommt also auch noch politische Instabilität hinzu.

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Mit gut 59% stimmten die Italiener mit „Nein“, Premierminister Matteo Renzi nahm daraufhin wie angekündigt seinen Hut. Das führt zu weiteren politischen Unsicherheiten innerhalb Europa. 2017 könnten diese eine kleine Vertrauenskrise in Italien auslösen – mit wirtschaftlichen Folgen. 

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Warum immer mehr große Unternehmen pleite gehen

Angesichts der seit Jahren rückläufigen Fallzahlen bei den Insolvenzen von Unternehmen in Deutschland wiegen sich viele Unternehmen in relativer Sicherheit. Häufig auch falscher Sicherheit, wenn man sich die Entwicklung der Schäden durch Insolvenzen zuletzt anschaut.

Fast 50% höher als im Vorjahr liegen die Schäden in den 12 Monaten bis Ende August 2016. Und das trotz erneut rückläufiger Fallzahlen. Der Grund: Es hat deutlich mehr größere Unternehmen getroffen, die 2016 in die Pleite geschlittert sind.

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Handel besonders betroffen

Der letzte bekannte Umsatz von Textileinzelhändler Steilmann lag beispielsweise bei rund 900 Millionen Euro, Sinn Leffers und Wöhrl waren mit 300 Mio. bzw. 255 Mio. Jahresumsatz ebenfalls bekannte Branchengrößen, die 2016 ins Trudeln kamen. Da ist es wenig erstaunlich, dass der Handel zu den Branchen zählt, die sich warm anziehen mussten aufgrund der überproportional gestiegenen Schäden. 

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Geopolitische Risiken auf dem Vormarsch

2016 ist ein weiteres Jahr, das von vielen Erdbeben geschüttelt wurde. Auch im übertragenen Sinne: in Form von wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken. Das Jahr startete mit dem Crash der chinesischen Börse, gefolgt vom Absturz der Ölpreise. Das Amtsenthebungsverfahren in Brasilien, das Brexit-Referendum und der gescheiterte Militärputsch in der Türkei hielt die (Wirtschafts-)Welt in Atem. Eine Verschnaufpause ist nicht in Sicht. Mit der US-Wahl kommen viele neue Unsicherheiten hinzu.

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Wirtschaft und Unternehmen sind teilweise regelrecht gelähmt: Abwarten und Tee trinken, ist die Devise. Erst wenn Sicherheit da ist, wollen sie investieren und weiter planen. Doch gibt es diese Sicherheit überhaupt? Geopolitische Risiken sind jedenfalls keine Eintagsfliege.

Man muss gar nicht so weit gehen. Allein beim Blick auf Europa fällt auf, dass auch hier unter der Oberfläche jede Menge vulkanisches Magma pulsiert, das bei tektonischen Verschiebungen an die Oberfläche drängt.

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Warum Trumps Protektionismus dem Welthandel nicht hilft

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist für Weltwirtschaft und Welthandel nicht unbedingt eine gute Nachricht. Diese schwächeln ja zuletzt sowieso. Der Welthandel ist zuletzt im Wert (in USD) sogar geschrumpft. Zwischen 2014 und 2016 hat die Welt 3.129 Milliarden US-Dollar an gehandelten Waren und Dienstleistungen verloren. Das ist eine Summe, die in etwa dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Deutschland entspricht.

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Selbst wenn der Welthandel 2017 sowohl volumen- und auch wertseitig leicht zulegt,  reicht das nicht aus, um die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Im Vergleich zu 2014 fehlen dann immer noch gehandelte Waren und Dienstleistungen in Höhe des italienischen BIPs.

Hinzu kommen zunehmende protektionistische Maßnahmen zahlreicher Länder. Beim „Protektionismus-Bingo“ will Trump nach eigenen Aussagen offenbar künftig auch noch stärker mitmischen. Das könnte den Welthandel noch weiter hemmen. 

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Insolvenzanfechtung: Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Die betroffenen Unternehmen stehen meist unter Schock, wenn der Brief ins Haus flattert: Der Insolvenzverwalter eines in die Pleite geschlitterten Abnehmers fordert sicher geglaubte Zahlungen zurück. Der Bundesligist Bayer Leverkusen war das bis dato vermutlich prominenteste Opfer: 2014 verklagte der Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax den Fußballverein auf die Rückzahlung von Sponsorengeldern in Höhe von 16 Millionen Euro plus Zinsen. Der Grund: Der Verein soll von der finanziellen Schieflage des später insolventen Stromanbieters gewusst haben.

Die Grundlage: Paragraph 133 der Insolvenzordnung. Dieser macht eine Rückforderung bereits geleisteter Zahlungen bis zu zehn Jahre rückwirkend möglich. Ziel ist es, diese in die Insolvenzmasse einfließen zu lassen. Damit soll die Benachteiligung einzelner Gläubiger verhindert werden. Doch was passiert mit Unternehmen, die plötzlich sicher geglaubte Zahlungen auf ihrer Habenseite wieder zurückzahlen sollen? Sie trifft es wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Im schlimmsten Fall ist sogar die Existenz in Gefahr. Ein wahrlich scharfes Schwert. 

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Brasilien: Hoffnung am Abgrund?

Vor einigen Jahren war Brasilien der Stern am Himmel der aufstrebenden Märkte. Dann kam das Drama – in mindestens fünf Akten. Aktuell ist vom einstigen Glanz wenig zu sehen. Das Land steht wirtschaftlich am Abgrund. Doch es gibt am Horizont auch einige Lichtblicke, die die Hoffnung schüren.

Brasilien steckt mitten in einer schweren Rezession. Die vier „Is“ machen dem Land weiterhin zu schaffen: ein Flaschenhals bei der Infrastruktur, fehlende Investitionen, eine weiterhin hohe Inflation und viele Insolvenzen. Die Samba-Nation nimmt 2016 einen wenig rühmlichen Spitzenplatz ein: beim Negativ-Ranking mit dem weltweit größten Zuwachs an Insolvenzen. 22% mehr Pleiten als im Vorjahr. Damit liegt die Samba-Nation beim Zuwachs sogar noch vor China.

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Die große Abhängigkeit von Rohstoffexporten und den damit verbundenen Preisschwankungen reihen sich in den Problem-Reigen ein. Hinzu kommen eine hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und damit eine rückläufige Kaufkraft. Das drückt auf den Binnenkonsum. Neben der schwierigen wirtschaftlichen Situation ist die hohe Staatsverschuldung ein beunruhigender Trend. Nicht umsonst haben große Ratingagenturen Brasilien inzwischen auf „Ramsch-Status“ herabgestuft.

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont zeigt sich jedoch: In den kommenden Monaten wird sich die Rezession weiter abschwächen. Voraussichtlich im ersten Quartal 2017 wird die Wirtschaft zu positivem Wachstum zurückkehren.

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Iran: Warum alle auf die Amerikaner warten

Deutsche Exporteure stehen in den Startlöchern, um nach Ende der Sanktionen endlich wieder Geschäfte mit dem Iran zu machen – ein interessanter Markt, insbesondere für Waren „made in Germany“. Auch Hermesbürgschaften sind wieder möglich. Seit Anfang des Jahres gibt es zwar zahlreiche Verhandlungen zwischen deutschen und iranischen Unternehmen, Geschäfte in größerem Umfang bisher jedoch (noch) nicht. Woran das liegt? An der fehlenden Finanzierung. Alle warten auf die Amerikaner, hier den ersten Schritt zu tun.

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Das kommt nicht von ungefähr. Der Geldverkehr mit dem Iran wurde von den USA bisher drastisch geahndet. Daran haben sich einige die Finger verbrannt. Kaum verwunderlich also, dass die Banken eine eher geringe Bereitschaft zeigen, Geschäfte mit dem Iran zu finanzieren. Auch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA im November lassen die bestehenden Unsicherheiten in Bezug auf den Handel mit dem Iran nicht gerade sinken.

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Fake President: Warum grobe Fahrlässigkeit kein Thema ist

Grobe Fahrlässigkeit spielt bei der Betrugsmasche „Fake President“ oder „falscher Chef“ keine Rolle. Warum? Diese Betrügereien sind alles Fälle, die sich ganz spontan und innerhalb weniger Tage ereignen. Zwischen dem Erstkontakt und der letzten Überweisung liegen meistens maximal drei Tage.

Ein Vorstand kann da kaum Maßnahmen ergreifen. Häufig sind zudem Tochtergesellschaften im Ausland im Visier der Betrüger. Man kann ja nicht täglich überall alles prüfen.

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Da hält selbst der beste interne Prozess zur Verhinderung von Betrug nicht Schritt. Zumal das durchdachte „Social Engineering“ der Betrüger regelmäßig die internen Prozesse wie das 4-Augen-System erfolgreich aushebelt.

Deshalb sind Fake President Fälle in der Vertrauensschadenversicherung gedeckt. Jedenfalls bei Euler Hermes. Grobe Fahrlässigkeit kann nach unserer Auffassung auf diese Masche nicht angewendet werden.

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TTIP = Freihandelsabkommen und Handelsbarriere zugleich

Im Licht der langen Verhandlungen über Ceta, erhitzt auch das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP mit den USA immer wieder die Gemüter. Zumindest in Deutschland. Lassen wir an dieser Stelle mal die emotionalen Debatten über Chlorhühnchen, Verbraucherschutz und Schiedsgerichte außen vor und betrachten das ganze kurz aus der Sicht des Welthandels.

Es ist ja alles ist immer eine Frage der Perspektive: Kopf oder Zahl. Protektionismus und Handelsbarrieren auf der einen Seite, der Freihandel auf der anderen.

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Auf der Prägung der gemeinsamen europäisch-amerikanische Seite der Medaille steht „Freihandel“. Wenn es umgesetzt würde, würde das TTIP Abkommen den größten Wirtschaftsraum schaffen mit 47% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Auf der Rückseite der gleichen Münze prangt jedoch „Protektionismus“, denn es wäre gleichzeitig die weltweit größte Handelsbarriere. 

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